ELSA
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Elsa
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…  Überall verstreute Zettel und kleine Heftchen. Die Strauchgruppe an den Sommerliegen bot einen Schutzwall für den drehenden Wind. Nicht ein beschriebenes Blatt ist in den Nachbargarten geweht. Ich krieche umher und sammle die Fetzen eines bewegten Lebens zusammen.

Unversehrtes aber eingeweichtes Beschriebenes, ein ganzer Waschkorb voll. Ich werde es trocknen und sortieren und während ich meinen Gedanken nachgehe, spüre ich, dass sie wieder neben mir steht. Sie fragt, was ich mache und auf meine Erklärung antwortet sie: „Schmeiß es weg, das ist doch sowieso alles hin.“ Sie hatte schon immer wenig Geduld. „Elsa, diese Seiten, das ist Dein Leben, das schmeiße ich doch nicht weg, das bekomme ich wieder hin, vielleicht hilfst Du mir und Du wirst sehen, es wird wieder wie neu.“ Ungläubig schüttelt sie den Kopf und lässt mich weiter sortieren.

Wie konnte ich nur so nachlässig sein und den Karton über Nacht draußen stehen lassen. Elsa hatte mit Tinte geschrieben und der Regen hat in die Seiten hineingeweint. Ich sortiere alles nach Jahren und Jahrzehnten. Vom elften Lebensjahr an lose Seiten und Zettel, mit vierzehn Jahren wieder ein Buch und dann bis zu ihrem Neunzehnten Schulhefte mit schwarzem Einband, danach für jedes Jahr ein gebundenes Kartonheft. Auf meine Frage nach den Heften vor dem elften Lebensjahr lacht Elsa und antwortet mit einer Gegenfrage: „Glaubst Du wirklich, dass ich da schon ein Tagebuch geschrieben habe, ich hatte damals wie alle meine Freundinnen ein Poesiealbum und das habe ich heute noch. Mein Leben war wie das aller kleiner Mädchen, das musst Du doch am besten wissen, denn Du hast doch alles mit mir gemeinsam erlebt.“ Ich bin schockiert, denn ganz bestimmt war ihre Kindheit nicht leicht und unbeschwert. Hätte sie sonst so viel aufgeschrieben?
Die Seiten müssten trocknen. In feuchtem Zustand würde ich noch mehr Schaden anrichten. Elsa ist in Aufbruchstimmung, sie hat es eilig. Ich verspreche ihr, dass ich mir die Zeit nehmen werde, ihre verregneten Erinnerungen neu zu schreiben. „Elsa ein Jahr lang, jeden Tag eine Stunde. Ich schenke Dir meinen Mittagsschlaf und niemand wird etwas davon mitbekommen.“ „Mit der Hand zu schreiben, das ist unmöglich“, redet sie auf mich ein. „Das habe ich auch gar nicht vor“, wobei ich an den Computer in meinem Büro denke. Elsa ist entsetzt, weil sie befürchtet, dass es dann jeder lesen kann und so muss ich ihr versprechen, niemandem Einblick in ihr Leben zu gewähren. …
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