ELSA
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Elsa
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…  Ich möchte Mama von dem Geld ein Ostergeschenk kaufen. Ich habe einen total süßen und samtigen Osterhasen, den man von unten mit Ostereiern befüllen kann, bei unserem Kaufmann gesehen. Dazu pflücke ich dann noch einen Strauß blühender Kätzchenzweige. Mein Bruder fand es in Ordnung, aber trotzdem blieb immer noch Geld übrig. Wir schlenderten also über den Wochenmarkt und sahen Pampelmusen. Sie sehen aus wie Apfelsinen, nur sonnengelber. Wir hatten sie noch nie gegessen, und eine kostete fünfzig Pfennig, gerade soviel Geld, wie ich noch hatte. Wir suchten uns die festeste und sonnengelbste von allen aus.
Zusammen mit unserer kleinen Schwester aßen wir die Pampelmuse mit Schale und Haut auf. Wir hinterließen keine Spuren und Mama und Papa ahnten nicht, was wir gegessen hatten. Ostern waren wir krank, so krank, dass unsere Hausärztin kommen musste. Durchfall, Übergeben, Schüttelfrost und eine andauernde Übelkeit. Am gemeinsten ging es meiner kleinen Schwester, sie hatte am meisten von der Pampelmusenschale gegessen. Unsere Hausärztin wusste nicht weiter. Es gab zur Zeit keine Grippe und keiner von uns sprach auf die üblichen Mittel an. Sie griff auf bewährte Hausmittel wie Muskat und Haferflocken zurück und die taten endlich ihre wohltuende Wirkung. Mein erstes Schulzeugnis hatte also fast mich, meinen Bruder und mein geliebtes Schwesterchen umgebracht. Ich weiß jetzt schon, dass wir niemals wieder Pampelmusen essen werden.

Es ist Frühling geworden und wir warten sehnsüchtig auf den Sommer. Zur Zeit der Kirsch- und Apfelblüten hat mein Bruder Geburtstag. Schade, dass ich zu meinem Geburtstag nie andere Kinder einladen darf. Immer kommen nur Oma und die Tante, und die ist nur fünf Jahre älter als ich, dann kommen natürlich noch Mamas und Papas Freunde. Nachmittags gibt es immer Sahnetorte und wenn wir im Bett sind, feiern die Erwachsenen mit rotem Heringssalat und Bommi mit Pflaume weiter. Mein Bruder hat immer einen Geburtstag mit vielen Kindern und genau so viel Kloppe und Tränen. Ich weiß nicht mehr, ob es bei seinem letzten Geburtstag war, jedenfalls mussten wir mit ihm Indianer spielen und zum Schluss hat er uns alle tot geschossen. Wir haben uns bewegungslos unter die blühenden Apfelbäume gelegt und er ging dann einfach weg und meinte, wir wären zu blöde, weil wir gelacht haben. Mit uns wollte er nicht mehr spielen. Aber die Geschenke, die hat er natürlich alle mitgenommen. Nie muss er für sein dämliches Benehmen in den Keller und wird auch nachmittags nicht ins Bett gesteckt. …
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