ELSA
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Elsa
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…  Milch, verdünnt mit Wasser, aufgekocht mit Haferflocken und das ganze durch ein Sieb geseiht, das wäre doch viel besser, damit hätte sie mich schließlich auch groß gezogen. Mama steht vor dem riesigen Sortiment an Kindernahrung und meckert weiter. So etwas sollte ich auf keinen Fall kaufen, denn ich hätte doch ein Sieb und eine Reibe und könnte selber Äpfel und Karotten reiben. Ich denke mir, ja, ja, ich kann auch noch Kartoffelschalen auskochen, so wie nach dem Krieg und das Wasser in den Brei geben. So gerne möchte sie mein Kind mal sehen aber ein „Komm vorbei“ wäre ihr zu wenig und ohne offizielle Einladung würde sie keinen Fuß über meine Türschwelle setzen. Ich habe ihr gesagt, dass sie doch einen Haustürschlüssel von mir hat und selbst dann, wenn ich mit meinem Kind in der Wanne sitze, jederzeit selber aufschließen kann. Das macht sie noch entsetzter, sie ist der Auffassung, dass man so ein kleines Kind nicht einfach mit in die Wanne nehmen kann. Es bringt nichts, es hat keinen Zweck, ich kann mit Mama nicht reden, sie will mich einfach nicht verstehen. Am Samstag will sie jetzt mit Papa kommen.

Es sind so herrliche Sonnentage und ich habe das Körbchen mit meinem Winzling auf den Balkon gestellt. Adrian singt ihr zur Gesellschaft ein Lied und ich denke, dass sie, genau wie ich, ein Sonnenkind wird.

Am Abend habe ich Pieti erzählt, dass meine Eltern am Samstag kommen. Er meinte nur, dass er dringend in die Stadt muss. Sicher will er sich einen neuen Anzug kaufen, damit er einen guten Eindruck macht. Mittags kommt er aber mit einem Kinderwagen, wie für ein Königskind, zurück. Ich möchte nicht wissen, was er dafür bezahlt hat. Sicherlich hätte man dafür auch einen guten Gebrauchtwagen mit zwölf Monaten TÜV bekommen, und ganz bestimmt hat er dafür einen Scheck von meinem Konto ausgestellt.

Niemand kann mir erklären, weshalb man einen Säugling täglich durch die Straßen schieben muss. In einem Körbchen in der Sonne hätte er es doch bestimmt viel besser. Mache ich diese Fahrten, weil mein Baby sich darüber freut oder schiebe ich es nur durch die Gassen, damit alle Nachbarn sehen, dass ich jetzt Mutter bin? Ganz besonders schlimm finde ich, wenn die Leute mit ihren ungewaschnen Pfoten meinen Winzling im Gesicht betätscheln und mit hochgeschraubter Fistelstimme fragen, wie es uns denn heute geht. Ich nehme mir dann immer vor, dass ich, wenn ich sie mal alleine treffe, ebenfalls an der Stelle kraulen werde, wo eigentlich ihr Kinn sein sollte und dann in Babysprache fragte, wie es ihnen geht. …
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