Tiefdruckgebiet
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…  Wie schon   gesagt, der Gedanke, einen Hund spazieren zu führen war verlockend, aber ich hatte eher an einen kleinen, stillen Genossen gedacht, der weder ungestüm seine Umgebung erkundete noch ständig erregt bellte. Das wurde mir alles zu viel und so zog ich mich in mein Kinderzimmer zurück. Jede Aufforderung die obere Etage zu verlassen schlug ich aus, noch nicht einmal zu den Mahlzeiten kam ich herunter, erst, wenn der Hund in den Garten oder ein anderes Zimmer gesperrt worden war. Meine Eltern versuchten mich mit lieben Worten für diesen Hund zu begeistern. Ich blieb störrisch und so wurde der Ton am zweiten Tag rauer. Ich solle mich nicht so anstellen und endlich zusammen mit dem Hund einen Spaziergang wagen. Mein Vater würde die Leine halten und ich solle nur nebenher gehen und mit dem Tier Freundschaft schließen.
Ich bemühte mich wirklich hinter meinen Eltern hervorzutreten und mit dem Hund Freundschaft zu schließen, aber jedes Mal wenn er mich sah bellte er laut, was mich erschreckt hinter die Rücken meiner Eltern zurücktrieb. Mein Vater war nach diesem Spaziergang sauer, meine Mutter entnervt. Am Montag wurde mir eröffnet, dass der Hund ins Heim zurückgebracht würde, was ich eigentlich schade fand.


Ich sitze neben meiner Fahrerin und denke, vielleicht zum ersten Mal, über mich nach. Bald werden wir weit von hier wegziehen. Wie wird sich das anfühlen? Werde ich Freunde finden und werde ich meine Freunde hier sehr vermissen? Ich weiß es nicht. In meinem Magen rumort es sacht und ich fühle mich bei diesen Gedanken nicht wohl. Lieber wende ich mich  wieder dem Sonnenschein und dem heiteren Geplänkel meiner Fahrerin zu. Die Auskünfte meiner Eltern sind spärlich und nichts sagend. Sie sprechen von alter Stadtgeschichte, ruhmvollen Geschlechtern und den herrlichen Bergen. Mir geht es aber um Schule, Freunde und Umfeld. Meine Freundin Renate und ihren Bruder Carlo, die ich seit dem ersten Kindergartentag kenne, werde ich sicher sehr vermissen. Dieses Gefühl gestatte ich mir nur sehr vorsichtig, denn eigentlich will ich ja die Welt erobern. Hier bleiben? Im Mief des Niederrheins unter einem kleinen Kirchturm dessen Pforten nur zum Gottesdienst gnädiger weise geöffnet werden und nach dem letzten, dem Ausgang zustrebenden Betbruder gleich wieder verschlossen werden? Nie und nimmer. Warum gehe ich aufs Gymnasium? Täglich predigt man mir: das Abitur ist das Tor zur Welt. Und sogleich schließt sich ein Berufsreigen an, der für mich in Frage käme. …
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