Tiefdruckgebiet
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…  Mein Vater packt Anfang April seine Sachen und zieht nach Bayern. Wir lieben unseren Vater, dennoch fällt der Abschied nicht schwer. Mutter haben wir fest in unserer Hand, bei Vater müssen wir vorsichtig sein um ihn nicht zu reizen oder ihm einen Anlass zu geben sich regulierend in unsere Freizeitgestaltung einzumischen. Er neigt, vor allem bei mir, zur temporären Kontrolle der schulischen Leistungen.
"Bring mal Dein Englischbuch", bestimmt er dann, noch mit bemüht freundlichem Ton. Wir beide wissen genau, was das bedeutet: die nahende Katastrophe. Vater sitzt mit übergeschlagenen Beinen im Sessel, ich stehe zwei Meter vor ihm, schon zu einem Haufen Elend geschrumpft und  Mutter postiert sich zwischen uns beiden auf dem anderen Sessel. Vater schlägt das Buch irgendwo auf und liest Vokabeln ab die ich übersetzen soll. Da ich meist nicht wie aus der Pistole geschossen heraus antworte fragt er bei der zweiten Vokabel schon in strengerem Ton. Jetzt ist Zeit für den ersten Protest:
"Da sind wir noch gar nicht. Das habe ich nicht gelernt. Wir sind ganz woanders."
"Das gibt's doch gar nicht. Vokabeln muss man immer parat haben. Was sind denn das für Lehrer die einfach was auslassen!"
Er atmet tief durch, versucht sich etwas zu beruhigen und fragt dann barsch nach der aktuellen Lektion. Doch leider kann ich diese Vokabeln auch nicht aus dem Effeff. Die Stimmung ist jetzt sehr, sehr gereizt. Die ersten Tränen rollen  aus meinen Augen was Vater noch wütender macht.  Nach der zehnten nicht oder zu zögerlich beantworteten Vokabel tobt er:
"Du bist faul, Du lernst nicht. Kein Wunder dass Du so schlecht in der Schule bist."
Jetzt mischt sich meine Mutter ein:
"Also ich verstehe das nicht. Wenn ich sie abfrage kann sie ihre Wörter eigentlich ganz ordentlich."
So, jetzt ist das Chaos perfekt. Meine Rolle ist: bleib stehen und heule möglichst herzzerreißend. Vater wütet ob meiner Faulheit, der blöden Methoden der modernen Schule und weil zu seiner Zeit viel mehr Disziplin herrschte und meine Mutter lässt sich nach fünf Minuten Streit sofort von Vater scheiden. Fertig, aus. Jeder geht seiner Wege, die Abfrage ist vorbei und ich habe meine Ruhe.
Aber einmal hat er uns ganz schön rangekriegt. Meine Schwester spielt Klavier, ich, wie erwähnt, Cello. Entweder hatten sich die Lehrer leicht unzufrieden geäußert oder   Vater waren die Kosten für unsere musikalische Ausbildung aufgestoßen, oder, was ich wahrscheinlicher finde, er hat in der Zeitung von einem jungen, gerade zum Star erwachenden Talent gelesen was seinen Neid hervorrief, jedenfalls mussten wir einen ganzen Samstagnachmittag im zehnminütigen Wechsel üben. …
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