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…  Völlig unerwartet tauchte da ein großer hagerer Mann hinter den Büschen auf. Erst jetzt bemerkte Angelo, daß dort eine verwahrloste, fast völlig von Gestrüpp und wildem Wein überwucherte Hütte stand. Der Mann jagte ihm Angst ein, obwohl er keinen Ton von sich gab, oder gerade deswegen. Der große schwarze ansonsten immer furchtlose Hütehund, der zuerst wie verrückt gebellt hatte, hatte sich auf eine herrische Geste des Mannes winselnd auf den Boden gelegt und verhielt sich nun mucksmäuschenstill. Der Mann trug eine weiße lange Kutte und unter der Kapuze hing langes graues Haar hervor. Die tiefliegenden Augen blitzten unheimlich und der lange Bart, der bis auf die Brust hing, verdeckte fast das ganze Gesicht. Langsam rückwärtsgehend entfernte sich Angelo, mit dem Lamm auf den Armen, von dem Alten. Als dieser dann einen Schritt auf ihn zumachte, drehte er sich um und rannte schrill nach seinem Hund pfeifend den Berg hinab. Fast wäre er gestürzt, denn sein Hund hatte es mindestens so eilig wie er und versuchte auf der rasanten Flucht zwischen den Beinen des Jungen durchzurennen, was bei seiner Größe ein schwieriges Unterfangen war. Heute konnte er über diese Erinnerung lächeln.
                *
Ebendieser Mann, vor dem er sich so gefürchtet hatte, konnte heute sein Schicksal sein. Aus diesem Grund wollte er ihn jetzt aufsuchen. Sein Großvater hatte ihm, nachdem er damals sein Erlebnis geschildert hatte, von dem Einsiedler berichtet. Er war einmal ein mächtiger Priester und Zauberer, aber die anderen Priester waren mit seinen Methoden und Ansichten nicht einverstanden gewesen. Er hatte von gütigen Göttern gesprochen und davon, daß man von Menschenopfern absehen sollte und die Götter lieber mit guten Taten und Verehrung gnädig stimmen. Daß das Befolgen der Gesetze und das Unterlassen von Sünden einem die Himmelstore öffnen würde und nicht die größte Spende von irgendwelchen wertvollen Gütern. Genau konnte sich Angelo natürlich nicht mehr an die Worte seines Großvaters erinnern, aber das wichtigste hatte er im Gedächtnis behalten. Diese für damalige Verhältnisse revolutionären Gedanken, die der heilige Mann auch noch öffentlich auszusprechen wagte, brachte die anderen Priester gegen ihn auf. Würde nämlich das Spenden von Opfergaben aufhören, könnten auch diese sich nicht mehr bereichern. Wie jeder wusste, doch natürlich niemand zugeben würde, kamen die meisten Gaben den Priestern zugute und nicht umsonst lebten diese in Saus und Braus. …
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