A     A     A
…  Es erkannte mich sofort und sagte lächelnd: „Ah, unsere kleine Schläferin. Es ist heute eine Ausstellung. Aber wenn die Sie nicht interessiert, macht das gar nichts, denn sie findet nur in den oberen Räumen statt.“ Er zwinkerte mir zu und nachdem er sich kurz umgesehen hatte, um sich zu überzeugen, daß uns niemand zuhörte, winkte er mich mit dem Zeigefinger näher und sagte leise: „Sie müssen auch keinen Eintritt bezahlen, aber sagen Sie es niemand weiter.“ Ich bedankte mich freundlich bei ihm und ging gewohnheitsmäßig den Gang entlang zu „meinem“ Bild. Irgendwie fühlte ich mich längst nicht mehr so aufgewühlt wie die Stunden vorher. Das Bild hatte wirklich einen nicht zu leugnenden sonderbaren Einfluß auf mich. Obwohl es mir manchmal die Gedanken durcheinander wirbelte und mir bis in den Schlaf folgte, beruhigte es mich doch, sobald ich in seiner Nähe war. Ich konnte mir das nur damit erklären daß ich wußte, daß ich nur durch dieses Bild das Ende meiner geheimnisvollen Vision erfahren konnte. Ich setzte mich also auf den Stuhl und versank in der Betrachtung des Bildes. Bald kam die gewohnte Müdigkeit über mich und ich wollte mich auch nicht mehr dagegen wehren – im Gegenteil – ich sehnte michdanach, meine beängstigende Odyssee zu beenden.

Verbotene Pfade


Es war sehr dunkel, als Angelo heute das Gelände des Tempels heimlich verließ. Der Mond hatte sich hinter einer Wolkenbank versteckt und nur vereinzelt blinkte ein Stern. Niemand durfte seine Abwesenheit bemerken, er würde sonst hart bestraft werden. Es war nicht so, daß sich die Gottgeweihten niemals vom Tempel entfernen durften. Nein, sie durften ihre Freunde und Angehörigen schon besuchen, aber nur mit Genehmigung der Priester und während des Tages. Derjenige aber, den Angelo besuchen wollte, war weder das eine noch das andere. Auch würden die Priester es strikt verboten haben, daß er überhaupt mit diesem Mann sprach. Angelo hatte als Kind durch seinen Großvater von Perikles gehört und musste ihn unbedingt sehen. Er schien ihm die einzige Rettung vor dem Abgrund zu sein.
                *
Angelo hatte als kleiner Bub von fünf Jahren die Schafe seiner Eltern gehütet, als er bemerkte, daß eines der Lämmchen fehlte. Er machte sich sofort mit seinem Hirtenhund auf die Suche und hatte es auch bald auf halber Höhe eines Berges zwischen Felsen und Gestrüpp gefunden. Erleichtert kletterte er hinauf und hob das Lämmchen auf seine Arme. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
2490 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.