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…  Für sie und die anderen Opfer war die Vorführung beendet. Sie mußten beim heutigen Fest nicht an den gefährlichen Stiertänzen teilnehmen, da man Verletzungen der Dienerinnen des Gottes vermeiden wollte. Sie wurden nach dem Tanz in den großen Säulensaal gebracht, wo sie stundenlang unter dem unheimlichen Blick der Minotaurusstatue umgekleidet, geschmückt und frisch frisiert wurden.
                *
Angelo hatte wieder auf der Bank gesessen, wo er und die anderen jungen Männer auf ihren Auftritt mit den Stieren warten mußten. Er hatte die ganze letzte Zeit fieberhaft versucht, etwas über Elena`s Schicksal herauszufinden. Nachdem all seine Versuche an Informationen zu kommen gescheitert waren, war seine Aufregung und Verzweiflung heute auf dem Höhepunkt angelangt. In banger Erwartung hatte er schon viel zu früh auf seinem Rang gesessen. Voller Angst hatte er gewartet, bis sich das Tor öffnete, durch das die für heute vorgesehenen Opfer des Minotaurus kommen mußten. Ein tiefes Stöhnen hatte sich seiner Brust entrungen, als es endlich soweit war, und er Elena unter ihnen entdecken mußte. Der junge Priester, der neben ihm saß, hatte ihn neugierig angesehen und Angelo wußte, er mußte sich zusammennehmen und durfte sich seine Verzweiflung nicht anmerken lassen. Mit fiebrigem Glanz hingen seine Augen an der geliebten Gestalt, die sich grazil wie eine Feder zu der schwermütigen Musik der Panflöten bewegte. Die Verzweiflung und die Sehnsucht nach Freiheit, die in jeder ihrer Bewegungen zum Ausdruck kamen schnitten ihm ins Herz. Nein, er konnte nicht zulassen, das dieses süße Leben von dem Ungeheuer, das sich Gott nannte, zerstört wurde. Es mußte einen Ausweg geben. Angelo wurde nun ganz ruhig. Er mußte vernünftig und rationell überlegen, wenn er Elena aus dieser irrsinnigen Gefahr befreien wollte. Schon einmal hatte es jemand geschafft, unerlaubt und unbemerkt das Labyrinth zu betreten. Er mußte Elena dort erreichen, bevor sie in die Hände des Minotaurus fiel. Angelo`s Gedanken drehten sich wild im Kreis und er mußte sich immer wieder zur Ruhe mahnen. Er wußte genau, daß wenn er in Panik verfiel, alles für ihn und die Geliebte verloren war. Eine Befreiung während des Festes war unmöglich, denn die Mädchen waren unter ständiger Aufsichtvon Priestern und Priesterinnen. Auch auf dem späteren Weg zum Labyrinth wurden sie streng bewacht. Kräftigere Priester hatten die Aufgabe die Zuschauer, die den Weg der Prozession säumten, zurückzudrängen und den Weg freizuhalten. …
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