ELSA
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Elsa
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…  Mir bleibt nichts weiter, als in zu besänftigen. Danach telefonierte ich mit Malte und war noch mehr beunruhigt. Sie meinte, er wäre verrückt. „Was tust Du Dir da bloß an“ war ihr Kommentar. Dienstag kam ein ganz lieber Brief von Pieti. Er schrieb, wie sehr er sich auf alles freut. Am Tag darauf kam eine Ansichtskarte mit dem Landhaus des Guanchen, umgeben von Tomatenhainen. Pieti hat mir versprochen, dass wir bald auf dem Balkon des ockergelben Hauses in die Sonne winken werden.

Mein Bruder hat weder kirchlich geheiratet, noch eine Polterhochzeit veranstaltet. Am Freitagmittag ist die standesamtliche Trauung und am Abend ein großer Ball. Nachmittags muss er Kleingeld schmeißend seine Angetraute über ein Seil tragen und Holz sägen. Mittwochabend nimmt er bis spät in die Nacht mit seinen Freunden Abschied vom Junggesellenleben. Aus Spaß hatten sie eine Bauchtänzerin engagiert und peinlich entsetzt von ihrem nackten Bauch, trank er mehr, als für ihn gut war. Die Tänzerin zog enttäuscht ihr Straßenkleidchen wieder an und fuhr mit der vereinbarten Gage nabelverhüllt wieder nach Hause.
Der Donnerstag gehört, wie ich es meiner kleinen Schwester versprochen habe, nur uns beiden. Erst am Abend ist mein Bruder wieder halbwegs unter den Lebenden. Die Bauchtanzdame und seine Freunde haben Spuren hinterlassen. Verkatert, leichenblass und wie ein Häufchen Elend hängt er herum. Ich empfehle ihm ein Entspannungsbad mit ätherischen Ölen. Als er wie neu geboren und angenehm duftend aus der Wanne kommt, bürsten wir seine Augenbrauen und cremen sein Gesicht. Die Nägel hat er sich selber geschnitten und gefeilt, nur geglänzt haben sie nicht. Mama ist damit beschäftigt, ihr blondes Haar zu locken und Papa guckt die Tagesschau. Mein Bruder hält still, als wir ihm die Zehennägel leuchtend rot lackieren. Auch die neue Seidensocke haben wir zerschnitten und gestopft. Sie soll ihm Glück bringen, denn mein kleiner Bruder hat mit rot lackierten Zehennägeln und mit der stümperhaft gestopften Seidensocke geheiratet und es hat ihm Glück gebracht. Unser vorhochzeitliches Geschenk liegt in Glanzpapier verpackt, mit einer Riesenschleife, auf dem Tischchen neben seinem Bett. Lange haben wir in alten Kartons gekramt, um nach dem kleinen Büchlein aus seiner Jungendzeit mit dem Titel “Wo kommen die kleinen Jungen und Mädchen her“ zu suchen. Wir sind fündig geworden und es ist wie neu. Nächtelang hat er mit der Taschenlampe unter der Bettdecke darin gelesen und jetzt musste er uns versprechen, dass er das Päckchen nicht vor der Hochzeit öffnet. …
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