Eine groteske Verwandlung
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Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Kapitel XV
Kapitel XVI
Kapitel XVII
Kapitel XVIII
Kapitel XIX
Kapitel XX
Kapitel XXI
Kapitel XXII
Kapitel XXIII
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… 

Dr. Groß überlegt kurz.

„Er ist größer als Sie. Ich schätze ihn auf 1.80, wenn er es schafft, sich voll aufzurichten.“

„Eine ungewöhnliche Größe für einen troglodytes, meinen Sie nicht? Ist er ... klug?“

„Ach was!“ entgegnet Groß verächtlich. „Er kam auf unserer üblichen Skala nicht über 20 % hinaus, was im Grunde ungewöhnlich niedrig ist. Blitzdumm ist er. Er versteht die einfachsten Aufgaben nicht, aber seine Wutausbrüche sind bekannt und gefürchtet. Und er ist unglaublich stark!“

Es entsteht eine lange Pause, während der ich einen starren Blick auf mich gerichtet spüre.

„Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch, Dr. Groß“, lispelt der Fremde weiter, „aber hatten Sie zu irgend einem Zeitpunkt einmal den Eindruck, daß dieser Schimpanse ...“

Der Fremde zögert, scheint das richtige Wort zu suchen, atmet mehrmals hörbar ein und aus, bevor er den Satz beendet:

„ ... daß der Affe möglicherweise versteht, was Sie ihm sagen? Verzeihen Sie, aber diese Frage hat einen triftigen Grund.“

Vehement schüttelt Groß sein Haupt.

„Niemals. Es ist ein dummer Affe, weiter nichts.“

Der Mann läßt nicht locker.

„Haben Sie sein Blut untersucht? Natürlich haben Sie es untersucht.“

Plötzlich werde ich hellhörig. Diese Stimme kenne ich, vor allem dieses deutliche Lispeln ist mir schon einmal begegnet, und in meinem Kopf beginnt es zu arbeiten. Wie auf der Festplatte eines PCs suche ich das gespeicherte Material ab, vergleiche, verwerfe es, suche neues. Und mit einemmal lande ich einen Treffer. Ich erkenne diese Stimme, obgleich ich sie nur ein einziges Mal gehört habe; das ist über fünfzehn Jahre her und war in – Göttingen! Dank meines ausgeprägten Gehörs klingt das Lispeln heute um ein Vielfaches penetranter, beinahe aggressiv.

Gemächlich drehe ich mich auf den Bauch, greife mir eine Karotte, die vom Mittagessen übriggeblieben ist und beiße kraftvoll hinein. Dabei richte ich meinen äffischen Blick scheinbar desinteressiert auf den fremden Besucher, der sich auf der linken Seite des Käfigs postiert hat; Groß steht rechts.

   Er ist es! Ist zwar älter geworden, sein Haarkranz lichter und grau, aber ich erkenne ihn wieder: Unten am Gitter steht kein Geringerer als der Herr Nobelpreisträger, der ehrenwerte Professor Dr. Hardenberg persönlich! Der Köder, den ich per E- Mail ausgelegt hatte, wurde also angenommen und verschluckt. Sein Blick ist auf mich gerichtet, wie ein Greifvogel starrt er mich an, und seine gekrümmte Nase unterstreicht diesen Vergleich nachhaltig. …


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