Kuppeln ist mein Gewerbe
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Kuppeln ist mein Gewerbe
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…  Er kannte meine Vorbehalte, Privates und Geschäftliches miteinander zu verbinden. Zwei Jahre hatte er versucht, mich überzeugend zu überreden. Ein Sonntag, der grau in grau war und ein Telefonklingeln, da konnte ich sicher sein, das es Horst war. Einmal knurrte ich “Horst, hier ist nicht die Telefonseelsorge, lass dir in der Woche einen Termin geben und wir sprechen im Büro darüber.” Hat er auch gemacht. Viel musste er nicht erzählen, ich kannte sein Leben. Trotzdem brauchte er viele Stunden. Eigentlich erzählte er in dieser Zeit immer das gleiche: “Lass mich doch, warum willst du nicht, bin ich nicht gut genug?” Er wollte nicht einsehen, wie schwer es sein kann, einen Klienten privat zu kennen. Seine Einwände waren sachlich. Ich würde ihn gut genug kennen und er wisse, wie verschwiegen ich bin. Also ließ ich mich überreden. 

In zwei Tagen hatten wir den Termin für seinen ersten Partnervorschlag. Am nächsten Morgen um acht rief Horst an. Sein Sohn, den ich auch schon kennen gelernt hatte, habe ihn gefragt, ob er spinne und was der Quatsch mit der Partnervermittlung solle und wenn er das jetzt wirklich machte, würde er mit Sicherheit Stress mit ihm bekommen. “Wie alt bist du, Horst?” mehr wusste ich darauf nicht zu sagen. Ich war wütend auf diesen Pfeifenkopf und so schickte ich ihm eine saftige Rechnung meiner Beratungskosten. Erste Mahnung, zweite Mahnung, nichts geschah. Dann traf ich Horst beim Tanken. Es war ihm sichtlich peinlich, mir zu begegnen. Er stand da und quatschte mit irgendwelchen Leuten, aß Würstchen und dann kam ich. Ob er wohl gedacht hat, ich komme die Hand aufhaltend auf ihn zu? “Hallo und guten Tag” sagte ich zu allen und dann wurde Horst mutiger. So lange habe man sich nicht gesehen und ich sagte, dass er eben an den richtigen Stellen schauen müsse. Alle hatten getankt und bezahlt, Horst und ich waren die Letzten. Horst zupfte an meinem Ärmel, ob ich morgen im Büro sei, er müsse dringend kommen. Klar, er sollte vorher anrufen. Auch eine Möglichkeit, Tanken fahren, damit sich Mahnungen wie von selbst erledigen. Ich hätte Horst niemals von mir aus an der Tankstelle auf diese Sache angesprochen. 

Horst kam tatsächlich. Vorher rief er aber an um mich zu fragen, ob ich denn auch Zeit für ihn hätte. Ich dachte an eine Viertelstunde, denn länger würde Bezahlen nicht dauern. Ich hatte die Quittung schon vorbereitet und erwartete ihn. Nicht im Entferntesten dachte ich daran, dass alles noch einmal von vorne anfangen könnte: Ich nahm Horst wieder in meine Klientenkartei auf. …
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