Kuppeln ist mein Gewerbe
Seite 102 von 105

Kuppeln ist mein Gewerbe
Spannungskurve: Lesen & bewerten
Wertung der anderen Leser:
Leserwertung
Spannungskurve
Anzahl Leser
zu wenig Daten
97 % gelesen
A     A     A
…  Eins brauchte ich für das geknotete Säckchen und aus einem schnitt ich ein kleines Rechteck für den Salzbeutel. Die Kordel hierzu drehte ich aus einem kleinen Rest weißer Wolle. Eine ungewohnte Tätigkeit. Bestimmt haben meine Rosen über mich gelacht, sonst sah mich niemand. 

Ganz früh am Montag rief ich Horst an. Am besten konnte man ihn um halb acht erreichen, dann hatte er ausgebacken. “Horst ich brauche ein kleines Schwarzbrot” überfiel ich ihn. Warum ich nicht in sein Geschäft um die Ecke gehen würde, es würde gleich öffnen. “Die sind mir zu groß. Ich brauche nur ein ganz kleines.” “Dann nimm doch ein halbes.” Er verstand mich nicht. “Horst, bitte, ich brauche ein kleines, ganzes, vielleicht so groß wie ein großes Brötchen” bettelte ich “ich habe dir dein Sabinchen doch auch gebacken, sei so lieb und back’ mir bitte ein ganz kleines, ganzes Schwarzbrot.” Er brummelte etwas und ich war mir nicht sicher, ob er wirklich ´Nervensäge´ sagte. Wichtig war für mich, dass er es versprach. Ob morgen reichen würde. “Aber ja, auch morgen Nachmittag, die Hauptsache, ich bekomme das Brot.” Er versprach, es mir nach seinem Mittagsschlaf zu bringen. 

Wegen der Vollendung meines Wanderstockes hatte ich dann auch noch meinen großen Auftritt im kleinen Kaufmannsladen um die Ecke. Es war ein richtig gemütlicher ´TanteEmmaLaden´ und es gab hier wirklich fast alles. Ich wollte aber nur zwei Äpfelchen, gleich groß und schön. Nie zuvor hatte man mich so mäkelig erlebt. Um es wieder gut zu machen, kaufte ich Dinge, die ich eigentlich jetzt gar nicht brauchte. 

Zu Hause polierte ich diese beiden Äpfel auf Hochglanz. Das kleine Säckchen war bereits mit Salz gefüllt, es fehlte nur noch das Schwarzbrot. 


Am Nachmittag schnitt ich die schönsten Rosen. Die Schwarzroten, die Blutroten, die Rotweißen und die Weißen. Die Margeriten standen in voller Blüte und auch das Schleierkraut war brauchbar. Es wurde ein herrlicher Strauß. Vera ließ ihn nicht verblühen und hatte ihn vorzeitig zum Trocknen aufgehängt. Bis zum nächsten Sommer schmückte er in einer großen Vase den Kassentisch, denn sie war sicher, dass ich ihr dann einen neuen Strauß bringen würde. 

Horst war gekommen, um mir das kleine Schwarzbrot zu bringen. Jetzt war er neugierig und wollte wissen, wozu. Als ich frage “kannst du schweigen?” knuffte er mir liebevoll in die Seite und brauste davon. 

In dem rot karierten Geschirrtuch lagen Brot, Salz und zwei Äpfel. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
1328 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.