… Karena unterhielt sich mit Gitta. Als sie sich irgendwann eine Zigarette anzündete, hörte sie in der kurzen Gesprächspause neben sich Rollies schmachtende Stimme. Sie war drauf und dran sich wieder Gitta zuzuwenden, als sie ungläubig Augen und Ohren aufsperrte – denn Rollies Stimme säuselte in süßestem Tone: „Candi, i träum scho seit i di kenn dervo, di auf dr Motorhaub von deim Auto zu vernascha. I möcht so gera wissa wie s isch, in deine weiche Forma zu versinka.“ Karena verbrannte sich vor lauter Lauschen die Finger an ihrem Feuerzeug und brach in schallendes Gelächter aus, als Candi seelenruhig antwortete: „Rolli, des isch schlecht. VW-Bus hat null Motorhaube. Da würdat mr gnadenlos abrutscha.“ Inzwischen war Gitta in das Gelächter eingefallen und Candi prustete auch schon los. Rolli ließ sich dadurch überhaupt nicht stören und meinte gelassen man könne ja als Ersatz sein Auto benützen, was das Kichern der Mädchen nicht gerade weniger werden ließ, da sie sich vorstellten, wie diese Rostlaube unter der ungewohnten Aktion zusammenbrechen würde. Allerdings war es Gitta, die als erste schwieg, denn neben ihr war unvermittelt eine große Gestalt aufgetaucht und als sie hochsah, blieb ihr das Gelächter im Halse stecken. Vor ihr stand niemand anderer als Micki, der Gitarrist von Griper. Auch Karena und Candi hatten ihn nun erblickt und das Lachen verebbte langsam. Als Gitta jedoch bemerkte, daß Karena den Mund öffnete, um etwas zu sagen trat sie, in Erinnerung von Karenas Kommentar in Senden auf der Party, dermaßen stark gegen deren Schienbein, daß sie außer einem Schmerzenslaut keinen Ton herausbrachte. Mit einem zuckersüßen Lächeln sagte sie zu Micki: „Hi, mir hand di no gar net gseha. Schön, das d dau bisch.“ Mit einem zwingenden Seitenblick auf Karena fügte sie hinzu: „Karena wollt di au grad begrüßa. Net wahr!“ Unter dem drohenden Blick ihrer Freundin zog diese es ausnahmsweise vor, nur unschuldig lächelnd zu nicken, sich das zum wiederholten Male lädierte Schienbein zu reiben und sich jeglicher Bemerkung zu enthalten. Gitta schaffte es tatsächlich Micki in ein Gespräch zu verwickeln, so daß der Gitarrist sich bald neben sie setzte, was unter anderem ihrem fortgeschrittenen Alkoholpegel zuzuschreiben war. Die sonst relativ schüchterne Gitta mutierte nämlich nach dem dritten Korea zu einer Art Mutter Theresa, die jeden und alles liebte, sich mit jedem und allem unterhielt und jedem und allem helfen wollte. …

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