… Eine neue Tränenflut unterbracht kurz die Berichterstattung, dann hatte sich Melinda wieder gefaßt. „Obwohl i schwanger bin, issch r eifach ganga.“ Gitta, die sich inzwischen zu ihnen gesetzt und tröstend eine Hand auf Melindas Schulter gelegt hatte, warf Karena einen entsetzten Blick zu und war noch entsetzter, als sie deren relativ gleichmütige Miene wahrnahm. Zum – mehr oder weniger – Glück kam gerade in diesem Moment auch Micki kurz an den Tisch um nachzusehen, wo die Mädchen blieben, und Melinda fiel ihm prompt um den Hals, um sich an seiner Schulter auszuweinen. Anscheinend funktioniert letzteres, zumindest bei Melinda, mit Männern um einiges besser als mit Frauen (liegt es an den breiteren Schultern?). Jedenfalls hatte so Karena die Gelegenheit, Gitta ihr etwas mangelndes Mitgefühl zu erklären: „Gitta, natürlich tut mr d Melinda leid. Liebeskummer isch immer was Args. Abr des mit dr Schwangerschaft kannsch abhaka.“ Auf Gittas erstaunte Frage nach dem Warum, erklärte Karena: „Melinda isch d einzig Frau die i kenn, die in 4 Wocha 5 maul schwanger werda kann. Jedesmaul wenn a Typ, den sie no a Weile bhalta will, Anstalta macht mit ihr Schluß z macha, isch Melinda plötzlich schwanger. D meischde Männer sind dann ersch maul aus m Konzept bracht ond bleibat ihr no a Weile erhalta. Komischerweise isch Melinda, sobald se den Typ nemme will, oder er trotz „Scheinschwangerschaft“ den Abflug macht, von eim Tag auf da andra entschwängert ond das Thema isch gegessa.“ Gitta war vor lauter Verwunderung über soviel Raffinesse sprachlos, während sich Karena wieder Melinda zuwandte, die sich – nachdem sich Micki ihrer Umklammerung entwunden hatte und auf den Schreck ein Bier holen gegangen war – nun doch mit Karenas Schulter begnügte. Mit immer noch vibrierender, weinerlicher Stimme jammerte sie: „Ihr könnt mi heut net allein lassa. I bin ja so traurig. Ihr müßt no mit zu mir komma. Wir könnat ja an dr Tankstell Gesöffe eikaufa ond so – Hauptsach i muß net allein heim.“ Gitta und Karena sahen sich zweifelnd an, aber selbst einem gleichgeschlechtlichen Wesen fiel es schwer, Melindas flehenden Rehaugen zu widerstehen. So kam es, daß Gitta, Karena, Micki , Klaus und auch noch Candi und Paul, die später aufgetaucht waren, bei Melinda in der Wohnung landeten. Man mußte es Melinda zugestehen, sie konnte tolle Drinks mixen und hatte sehr gute Musik auf Lager. Allerdings lief sie ständig mit Trauerblick herum und heischte nach Mitleid. …

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