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…  In ihrer argen Not fiel ihr plötzlich die Geschichte ein, die ihr am Vortag ihre Mutter, die natürlich Mitglied beim Tierschutzverein war, erzählt hatte und die ihr in der Hektik ihrer krampfhaft nach einem Ausweg suchenden Gedanken als etwas suspekter, aber hoffentlich rettender Anker erschien. Etwas atemlos und vor lauter Hektik vom Hochdeutschen ins Schwäbische abrutschend sprudelte sie also hervor: „Wissat se, Herr Müller, des isch ed so schlimm. Mei Mutter hat erzählt, daß im Tierheim a Aaraweih (Mäusebussard) sitzt ond dem muß ma d Mäus mit m Fell serviera, weil des nämlich da Maga reinigt.“ Während die Kollegen prustend fast unter den Schreibtisch rutschten, entgegnete Herr Müller mit mühsam aufrechterhaltener Ernsthaftigkeit: „Fräulein Ebert, das mit dem Bussard ist ja schön und gut; aber ich möchte meinen Kaffee doch lieber ohne Fussel, auch wenns den Magen reinigt.“ Äußerst froh, sich dem Gelächter der Kollegen und dem Grinsen des Chefs entziehen zu können verschwand Karena mit Höchstgeschwindigkeit und dem Kaffee im Aufenthaltsraum, um eine neue Kanne  – ohne „Mäusefell“ - aufzubrühen. 

                *

Dies war aber noch nicht das letzte unangenehme Erlebnis an diesem Tag. Irgendwie schienen sich die Mäuse heute gegen Karena verschworen zu haben und zwar in äußerst unangenehmer Hinsicht. Sie hatte zum Glück den Mittag frei und kam also zum Essen nach Hause. Ihre Mutter hatte extra etwas gekocht, von dem sie wußte, daß Karena es mochte. Das Mädchen hatte nämlich seit der Geschichte mit Klaus und Melinda fast nichts mehr gegessen und natürlich machte sich Karenas Mutter Sorgen. Der Vater ließ sich normalerweise nichts anmerken, denn mit Liebeskummer heranwachsender Töchter hatte er nicht viel am Hut, wenn er auch sonst ganz in Ordnung war. Karena war selbst überrascht, aber anscheinend begann es ihr seelisch doch wieder besser zu gehen, denn sie hatte tatsächlich einen Mordshunger und freute sich richtig auf das Schnitzel, das vor ihr auf dem Teller lag. Ihre Mutter war in die Küche gegangen und in diesem Moment kam ihre Oma zu Tür herein. Karenas Oma wahr ziemlich schwerhörig, wie bereits erwähnt, und man mußte sehr laut reden, damit sie einen verstand. „Hallo Mädle!“ sagte sie und Karena grüßte zurück, während sie schon die Gabel hob. Die Oma ließ sich auf`m Küchenhocker nieder und fragte leicht grinsend: „Woisch scho, was dei Kater heut agestellt hat? …
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