… „Hi, hier isch Melinda. Mr warad doch verabredet; weisch nimmer?“ In Klaus Gesicht wechselten die Emotionen. Zuerst Überraschung, die Gitta als echt und nicht gespielt ansah, dann ziemliche Ratlosigkeit und schließlich stand ihm das Fragezeichen regelrecht auf die Stirn geschrieben als er seinen Blick zu Gitta wandern ließ. Diese sprang auf, legte verschwörerisch den Finger auf die Lippen und verschwand im Badezimmer. Klaus schüttelte verwundert den Kopf, ging aber auf das ihm unverständliche Spiel ein. Bald darauf ertönte der Türsummer und wenig später hörte Gitta von ihrem Versteck aus Melindas muntere Stimme drauflosplappern: „Hey, des isch ja toll, du hasch sogar scho an Drink eigschenkt.“ Gitta bekam nicht alles von dem Gespräch mit, nur soviel, daß Melinda Karena zwar nicht als schlecht, aber doch als leichtsinnig und in der Liebe wenig zuverlässig hinstellte. Melinda übertrieb es aber nicht, so dumm war sie nicht. Sie erzählte auch von anderen Bekannten und es schien ihr gar nicht aufzufallen, daß Klaus ziemlich einsilbig antwortete. Gitta schickte ein Stoßgebet nach dem anderen zum Himmel daß dies hier bald ein Ende finden würde, aber sie wurde nicht sogleich erhört, im Gegenteil: entsetzt mußte sie hören, wie Melinda sich nach der Toilette erkundigte. Wie gehetzt sah sie sich um und entdeckte Klaus` Dusche. Diese hatte zum Glück einen einigermaßen blickdichten Vorhang und Gitta hechtete dahinter, hängte sich zur Vorsicht noch ein großes weißes Handtuch über und stand still in der Ecke. Keine Sekunde zu früh, denn schon betrat Melinda den Raum. Gitta stellte unangenehm berührt fest, daß die Dusche tropfte und zwar genau auf ihren mit Handtuch behängten Kopf. Plopp – Plopp – Plopp! Wie lange brauchte denn diese Melinda? Was tat die denn? – Plopp – Plopp! Gitta versuchte, ohne ein Geräusch zu machen, den Wasserhahn weiter zuzudrehen – in die falsche Richtung. Mit einem Strahl ergoß sich eiskaltes Wasser über sie und sie konnte einen schrillen Schrei nicht unterdrücken. Melinda schoß vor Schreck von der Toilette hoch, stolperte über ihre heruntergelassene Jeans und stürzte nach vorne. Sie versuchte, sich am Duschvorhang festzuhalten und fiel, ihn mit sich reißend, genau in Gittas behandtuchte Arme. Das Handtuch verrutschte, der Duschvorhang riß ab und stumm vor Staunen starrten sich die beiden Mädchen an während sie beide in einem Kuddelmuddel von Handtuch, Duschvorhang und Melindas Händen, die mit fliegenden Fingern die Jeans hochwurstelten zu Boden gingen. …

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