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…  der Diener hielt sich ängstlich im Hintergrund, während sein Herr sich offensichtlich bei Schaich Assiz für dessen ungebührliches Betragen entschuldigte. Dann wandte sich der Dunkelhäutige seinem Diener zu und versetzte diesem einen gemeinen Schlag mit dem Griff seines verzierten Krummsäbels mitten ins Gesicht. Der Diener gab keinen Laut von sich, während das Blut aus seiner Nase strömte, aber der Blick, den er Lena zuwarf, war von tödlichem Haß erfüllt. Sein Herr wandte sich nun an den schlanken Mann an Lenas Seite und sprach auf ihn ein. Doch mit einer herrischen Geste beendete dieser das Gespräch. Er drehte Lena in Richtung der Türe, die aus dem Raum führte, und gab ihr einen sanften Schubs, um anzudeuten, daß sie sich zurückziehen durfte. Hinter der Türe wartete voller Angst Merit auf sie, die sie sofort unter ihre Fittiche nahm und zurück zu ihrem Zimmer begleitete. Dort kühlte die besorgte Dienerin Lenas Wange mit kaltem Wasser, während Lena trotz Schmerzen ihre Neugierde kaum bezähmen konnte. Wer war ihr Retter? Hatte sie ihn zuvor wirklich nur im Traum gesehen, oder hatte er vielleicht tatsächlich schon einmal neben ihrem Diwan gestanden? Aber als sie Merit fragen wollte, legte ihr diese zart den Finger auf die angeschwollene Lippe und flüsterte ihr zu: „Wir reden morgen über alles. Schlaf jetzt Kleines.“
                *
Noch bevor Lena die Augen aufschlug, wußte sie, daß jemand sie ansah. Sie spürte einen intensiv auf sich gerichteten Blick. Vorsichtig öffnete sie die Lider und es dauerte einen Moment, bis sich ihre Augen an das silbrige Zwielicht gewöhnt hatten, das der Mond in ihrem Zimmer verbreitete. Dann blickte sie zum dritten Mal in die Augen ihres geheimnisvollen Retters. Obwohl sein Gesicht direkt vor ihrem war fühlte Lena keine Furcht und nun konnte sie auch erkennen, daß diese Augen tiefschwarz waren. „Wer sind Sie?“ , flüsterte Lena ihm zu, doch der schöne Fremde blieb still. Er sah sie nur weiter unverwandt an. Das anhaltende Schweigen wurde Lena unheimlich und sie sagte leise: „Bitte, so reden Sie doch mit mir!“ Das Gesicht des Mannes entfernte sich etwas von ihr, als er auf dem Rande ihres Schlafdiwans Platz nahm. Lena wurde bewußt, daß sie Deutsch gesprochen hatte und der Fremde diese Sprache sehr wahrscheinlich gar nicht verstehen konnte. Aber noch während sie sich überlegte, wie sie ihm ihre Fragen auf Arabisch stellen könnte, deutete er mit dem Finger auf seinen Mund und machte mit der anderen Hand eine verneinende Geste. …
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