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…  Retenu hat anscheinend, trotz aller Widrigkeiten deinerseits, deine Spur aufgenommen, hat sich in höchste Gefahr begeben und dich aus deinem selbstverschuldeten Dilemma befreit. Das ist ja wirklich unverzeihlich von ihm. Nachdem du ihn also zurückgewiesen, gekränkt und in Lebensgefahr gebracht hast, würdest du dich ernsthaft wundern, wenn Retenu sich von dir abwenden würde?“ Lena wurde ganz still. Merits Worte hatten ihr klar gemacht, was sie schon lange selber wußte, sich aber nicht hatte eingestehen wollen – nämlich, daß ihre Wut zum größten Teil ihr selber galt. Sie hatte nur nicht einsehen wollen, daß sie sich total falsch verhalten und Retenu völlig ungerecht behandelt hatte. Verzweifelt sah sie zu Merit auf. „Ich habe wohl so ziemlich alles falsch gemacht, was es falschzumachen gab, was?“ „Nun ganz so schlimm wird es schon nicht sein,“ antwortete die Dienerin, „Vielleicht solltest du einfach mal ehrlich zu dir selber sein und dann auch offen mit Retenu sprechen. Ich denke, daß deine Gefühle für ihn tiefer gehen, als du dir eingestehen willst und solange du das nicht akzeptierst, belügst du vor allem dich selbst.“ Damit verließ Merit den Raum und ließ eine sehr nachdenkliche Lena zurück.
                *
Lena kam die Zeit endlos vor, in der sie nichts von Retenu hörte. Dann kam eines Tages ein Diener des Schaichs und überbrachte ihr die Nachricht, daß sie an diesem Abend tanzen müsse. Lena war beinahe euphorisch, denn sie hoffte, daß Retenu im großen Saal anwesend sein würde. Merit kam vorbei, um ihr bei den Vorbereitungen zu helfen. Lena war so aufgeregt, dass sie nicht stillsitzen konnte, während die Nubierin sie herrichtete und diese sie schalt: „Ein Sack voller Flöhe wäre leichter ruhigzuhalten als du! Sitz still, sonst werden wir nie fertig!“ Würde Retenu da sein? Würde sie ihn mit ihrem Tanz versöhnlich stimmen können? Würde er sie überhaupt beachten, oder würde wieder dieser distanzierte Blick in seinen schwarzen Augen sein? Merit gab sich besondere Mühe mit Lenas Aussehen, denn sie wußte wohl, was diese im Schilde führte. Zufrieden betrachtete sich Lena später im Spiegel. Sie trug eine weite Hose aus durchscheinendem, goldfarbenen Gaze. Der breite Bund umschloß eng ihre Hüften und war mit Perlen verziert. Das knappe goldene Oberteil war ebenfalls mit Perlen bestickt und ihr Haar fiel offen bis fast zur Taille herab. Je eine einzelne große Perle hatte Merit kunstvoll an Lenas Nabel und an ihrer Stirn befestigt. …
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