Tiefdruckgebiet
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Ich weiß nicht was sie meinem Vater erzählt wenn er denn mal da ist. Als Schlusspunkt höre ich nur:
"Sie ist nicht dumm, sie soll sich anstrengen und dann wird sie es schon schaffen."
Ich bemühe mich wirklich, aber es ist keine Hoffnung in Sicht.
Vom Zeichnen eines Kreises mit der Erläuterung des Begriffes "Winkel",  meiner letzten Mathestunde in NRW, zur Segmentberechnung eines Kegels führt für mich kein Weg.  In Windeseile erlerne ich die Formeln und mathematischen Abkürzungen aber es fehlt einfach an der Anleitung. Nachhilfe steht nicht zur Debatte.
"Wir kennen hier niemanden und das ist zu teuer."
Zu teuer? Das Wort hat es bei uns noch nie gegeben. Ich denke Vater ist wegen des Geldes nach Bayern gegangen? Überhaupt wird viel über Geld gesprochen. Zinsen,  Abzahlung und Haushaltskosten sind beliebte Themen. Ich würde es begrüßen wenn sie sich mal ruhig und vernünftig über meine Probleme unterhalten würden. Doch es herrscht  bei uns sofort dicke, gereizte Luft wenn sich das Gespräch diesem Sprengstoff nähert. Jeder macht einen weiten Bogen darum. Ich natürlich auch, denn es ist nicht lustig mitten in die Schusslinie von Vaters verbalen Attacken zu geraten. Es hagelt Vorwürfe und Schuldzuweisungen und wir werden sofort sehr laut.
Ich fühle mich überfordert und allein gelassen. Eines Tages, als Mutter wieder mal in der Schule vorsprechen muss und ich  nach Schulschluss die Treppe zum Schultor hinuntergehe schwöre ich einen Eid mit mir selber. Sollte ich jemals Kinder haben werde ich sie niemals so alleine in der Luft hängen lassen. Für sie würde ich   wie eine Löwin gegen jede Ungerechtigkeit  und Diskriminierung kämpfen. Nichts könnte mich aufhalten. Jede "Preiß"- Stigmatisierung würde ich ahnden, würde in der Schule für ihre Rechte kämpfen und mich nicht zum schulpolitischen Spielball machen lassen.
Jeden Abend liege ich noch lange wach. Mich beschäftigen die Bücher die ich gerade lese. Ich lese gern und viel. Aus der Jugendlektüre mache ich mir nichts mehr. Ich habe Mutters Bücherwand für mich entdeckt:  Biografien, Bildbände über das heilige Land und östliche Meditation und natürlich auch viele Romane. Ein Buch beschäftigt mich sehr. Es spielt gleich nach dem zweiten Weltkrieg und erzählt die Geschichte europäischer Juden, die wochenlang auf einem Schiff im Mittelmeer ausharren müssen weil sie von den arabischen Staaten keine Landeerlaubnis erhalten. Es ist bekannt, dass sie einen jüdischen Staat gründen wollen, deshalb will ihnen kein Land Asyl gewähren. …
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