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…  Obwohl sievon ihrer Kindheit an viel über Gifte, Kräuter, Heilmittel und medizinische Kniffe gelernt hatte, versagte hier ihr Wissen. Das langsam wirkende Gift, welches hier offensichtlich eingesetzt worden war, war ihr nicht bekannt. Keines der Symptome die der Pharao zeigte, half ihr irgendwie weiter. Als sie merkte, daß er wieder zurück in die tiefe Bewußtlosigkeit glitt, aus der er nur kurz aufgetaucht war, ließ sie sich auf den polierten Kalksteinboden zurücksinken. Er war mit bunten Blumen und gold- und silberglänzenden Fischen verziert. Nur kurz ließ sie noch ihren abwesenden Blick über die mit Lotus und anderen bunten Pflanzen bemalten Wände gleiten, nickte dem Wachposten zu, der eben eine Fliege von seinem polierten Brustharnisch wischte und legte dann müde den Kopf auf die angezogenen Knie. Nefer hatte lange neben ihrem kranken Herrscher gewacht und wurde nun von Müdigkeit übermannt. Wirre Gedanken durchzuckten ihren Kopf und um sich zu beruhigen, begann sie an die Vergangenheit zu denken – daran, wie dies alles begonnen hatte.

Die Sklavenjäger


Das kleine Mädchen spielte mit den anderen Kindern am Ufer des breiten, trägen Flusses. Das grelle Sonnenlicht spiegelte sich golden in den leichten Wellen, die flußabwärts in ein stetiges Brodeln übergingen, wo der Fluß von Felsen und Inseln durchbrochen wurde. Es fiel auf, daß sich die anderen Kinder von ihr fern hielten und sie zwischendurch immer wieder etwas ängstlich und abschätzend betrachteten. Während die dunkelhäutigen Kinder mit ihrem wolligen Haarschopf mit Strohpuppen und bunten Steinen spielten, hantierte das einsame Kind mit verschiedenen Kräutern, die es sehr konzentriert und nach einem nicht erkennbaren System ordnete. Schon allein ihr Aussehen differenzierte sie vom Rest der Kinderschar. Ihre Haut war von einem hellen Braun, ihre Augen nicht schwarz oder dunkelbraun, wie die der sie beobachtenden Jungen und Mädchen, sondern gelb, wie die einer Löwin. Auch ihr Haar war anders; es war nicht gekräuselt, sondern floß in rötlichen Wellen sanft bis auf die runden Kinderschultern herab. Obwohl das Mädchen so tat, als mache es ihr gar nichts aus ignoriert zu werden, warf sie doch gelegentlich der Kinderschar am Ufer verstohlene sehnsuchtsvolle Blicke zu. Als sie mit dem Sortieren ihrer Kräuter fertig war, verstaute sie diese in einem mitgebrachten Binsenkorb und ging mit eiligen Schritten dem vom Fluß aus zu sehenden Dorf zu. Die Ansiedlung lag im das Wasser säumendenGrüngürtel, doch schon die letzten Hütten standen im gelben Sand der beginnenden Wüste. …
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