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…  Auch Nofretete beteiligte sich lebhaft an den Ideen für Kleiderschnitte und Haartrachten für den morgigen Abend. Während die anderen Frauen aufgeregt durcheinander redeten, war Nefer auffällig still. Sie dachte über das Gespräch nach, das sie vor nahezu einem Jahr im Innenhof belauscht hatte. Immer wieder hatte sie versucht, Eye oder Tutu unauffällig zu beschatten, doch anscheinend waren die beiden inzwischen vorsichtiger geworden. Es war Nefer nicht gelungen, sie irgendwann zusammen zu ertappen. Der einzige, dem sie regelmäßig bei ihren Verfolgungsgängen begegnete, war der ihr jedesmalverschwörerisch zuzwinkernde Haremhab. Sie wurde von ihren Gedanken abgelenkt, als die Königin sie fragte: „Nefer, möchtest du heute abend gerne am Tisch meiner Töchter sitzen?“ „Es wäre mir einen große Freude.“ Antwortete sie mechanisch, während unweigerlich das Bild des überheblichen Antef vor ihrem geistigen Auge auftauchte – sicher würde er als Leibarzt ganz in der Nähe der königlichen Familie sitzen. Trotzig dachte sie bei sich, daß es ja nicht schaden könnte, wenn sie ihn sich etwas näher ansah. Zumindest würde er ihr sicher mit Auskünften über Heilpflanzen und Kräuter behilflich- und ihr somit von Nutzen sein können.
                *
Endlich war der Abend hereingebrochen. Die untergehende Sonnenscheibe sandte nur noch ein paar dunkelrote Strahlen über den Horizont. Im Palastgarten und im Innenhof eilten die Diener umher, um hunderte von Fackeln und Kohlebecken zu entzünden welche die hereinbrechende Nacht erhellen sollten. Auch in den vielen Teichen und Seen schwammen, auf kleinen hölzernen Flößen, winzige Öllämpchen und spiegelten sich tausendfach gebrochen in den von der leichten Brise gekräuselten Wasseroberflächen. Nefer war unter dem Gekicher und hektischen Schaffen der Dienerinnen von Anchesenpaaton, welche ihr diese ausgeliehen hatte, für das Fest hergerichtet worden. Als sie nachher in die polierte Kupferscheibe an der Wand ihres Gemachs blickte, erkannte sie sich selbst nicht wieder. Sie bedankte sich bei den Mädchen und sah nachdenklich ihr Spiegelbild an. Das rötliche Haar war nach Art der Perücken geschnitten worden, die der derzeitigen Mode entsprachen und man hatte es mit Perlenfäden durchflochten, so daß es im Licht des Alabasteröllämpchens, welches auf ihrem Waschtisch stand, in allen Rot- und Rosatönen schimmerte. Ihre Lieder waren mit Goldstaub gepudert, der grüne Malachit hatte nicht zu dem Bernsteinton der Iris gepaßt. …
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