… Blick zu, diese hatte sich wie meist im Griff; nur ihr Ge-sicht war um eine kleine Nuance blasser geworden, was man aber bei der diffusen Beleuchtung im Schuppen kaum wahrnehmen konnte. Natürlich war ihr klar, daß es höchstwahrscheinlich wieder eine von Melindas hundert erfundenen Schwangerschaften war; aber wußte man s? Jedenfalls hatte Karena für heute genug von Melindas Geschichten und so stand sie wortlos auf und begab sich an die Bar. Sie hatte sich eben ein Korea bestellt und wollte ihr Geld herauskramen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und eine tiefe Stimme sagte: „Des zahl i.“ Karenas ganzer Körper versteifte sich und auf ihrem Ge-sicht spiegelten sich die widersprüchlichsten Gefühle wieder. Langsam wandte sie sich um und sah zu dem Typ auf, dessen Hand immer noch auf ihrer Schulter ruh-te. Es war Timo, ihr Ex-Freund. Eben so einer, bei dem sich der „Man-sieht-sich-Spruch“ voll und ganz im nega-tiven Sinne erfüllt hatte und der sich einfach von einem Tag auf den anderen nicht mehr gemeldet hatte. Bis heu-te war sich Karena sicher gewesen, daß sie ihn bei einem Wiedersehen sofort vom Acker jagen würde. Als sie aber nun in diese tiefblauen Augen blickte, kamen ihr leise Zweifel. Trotzdem stellte sie sofort die Stacheln und meinte giftig: „So, au maul wiedr im Land.“ „I ergeb mi, net schießa!“ Mit bezwingendem Lächeln und erhobenen Händen stand Timo vor ihr und irgendwie konnte sie sich das Grinsen nicht verkneifen. Karena war klar, daß er seine übliche Anmache abzog, schließlich war sie seinem Mega-Charme schon einmal erlegen. Ein zweites Mal würde es nicht geben. Aber warum sollte sie sich nicht ein wenig amüsieren und ihn sich winden sehen. An-scheinend wollte er wirklich alle Register ziehen, denn er entschuldigte sich sogar bei ihr und kam ihr mit 1000 – sicherlich an den Haaren herbeigezogenen – Ausreden daher, warum er sich nicht mehr bei ihr gemeldet hätte. „Ja, ja, i woiß!“ entgegnete Karena ungerührt. „Du wur-desch auf n Mars entführt ond genau wie bei E.T. hatt s Telefon net gnügend Reichweite ghabt um mi zu infor-miera ond s Raumschiff hatt an platta Reifa ghet.“ „I geb`s auf. Muß i vor dir auf d Knie sinka ond dr d Hand küssa?“ „Natürlich.“ Sagte Karena und streckte gebiete-risch ihre Hand aus. Mit was sie aber nicht gerechnet hatte – er tat es tatsächlich, zum Amüsement des halben Lokals. Jedenfalls hatte er es geschafft, Karena zum La-chen …
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