Monate später gab es Gerüchte, Rudolf Grabow hielte sich in England auf. Dem widersprachen Meldungen, er sei in Argentinien untergetaucht oder in den Vereinigten Staaten. Andere wiederum behaupteten, Frankreich hätte ihm Asyl gewährt, oder Italien. Letztlich wurde er anscheinend in der Schweiz gesichtet. Es blieben Mutmaßungen.
***
Vergessen wurden die schlimmen Ereignisse nicht. Diskussionen, wie so etwas überhaupt geschehen konnte, beschäftigten die Medien auf Monate hinaus. Und wie aus dem Nichts waren Stimmen zu vernehmen, die alles schon vor langer Zeit hatten kommen sehen, die vor Jahren bereits gewarnt hatten vor der desolaten Finanzsituation des Staates.
Das Zeitunglesen jedoch war im letzten Jahr um ein Vielfaches erfreulicher geworden. Es fehlten jene Horrormeldungen, die den Betroffenen regelmäßig die Herzen zusammen geschnürt hatten. Die Nachrichten konzentrierten sich wieder auf Meldungen aus der Welt, berichteten vom Umweltschutz, von Erdbeben, vom Artensterben, von medizinischen Erfolgen, vom Sport usw.
Der ehemals stolze Stammtisch war reduziert worden von anfänglich 13 Mitgliedern auf letztendlich vier. Das war weniger als ein Drittel! Felix, Helga, Vera und Hermann. Erstaunlicherweise trafen sich die vier nicht mehr so häufig wie in früherer Zeit. Sicher lag es auch an der Trauer, die jeder für sich alleine bewältigen mußte. Aber nicht nur. Die Zeiten hatten sich geändert. Man wollte die eigene Wohnung nicht mehr so lange wie früher unbeaufsichtigt lassen, blieb lieber zu Hause, lud eher Freunde zu sich ein. Die anderen jedoch dachten ebenso, somit blieben die Kontakte spärlich. Man telefonierte.
Wieder war ein Herbst ins Land gegangen, Vera und Hermann soeben von einem kurzen Waldspaziergang zurück. Ihr Enkelkind sahen sie so gut wie nie. Das Verhältnis zwischen ihnen und ihrem Sohn Volker war weiterhin gespannt, denn dieser hatte sich nie bei ihnen entschuldigt.
Vera brachte Tee in den Wohnraum, Hermann blätterte in der Zeitung, es war beinahe wie früher, als alles noch seine Ordnung hatte. Ein Artikel weckte sein berufliches Interesse. Es ging ums Waldsterben und dessen globale Ursachen. Selbst in unberührten Gebieten dieses Planeten, wie z. B. in Südamerika, spürten Umweltschützer jetzt schon kranke Bäume auf. Immergrüne, kranke Riesen des Urwaldes. Wie lange noch würden sie immergrün sein? …
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