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… 
„Woran ist sein Vorbesitzer denn gestorben? War er so alt?“ fragte er den jungen Mitarbeiter des Tierheimes interessiert.
„Das weiß ich nicht, ich müßte nachschauen.“
Sofort lief er ins Büro, dicht gefolgt von Hermann, und kramte die Unterlagen hervor.
„Da haben wir es. Die Todesursache steht aber nicht dabei. Sind Sie in Sorge, der Hund könnte etwas damit zu tun gehabt haben?“ fragte er lachend.
Hermann verneinte.
„Sein Besitzer, ein pensionierter Musiklehrer namens Singer, starb vor drei Monaten. Er wurde 62 Jahre alt.“
Der Mann schloß die Akte, nachdenklich machte sich Hermann auf den Weg zum Wagen.
Warum kauft sich jemand einen Welpen, sinnierte er, wenn er so krank ist, daß er bald darauf stirbt?
   Während der folgenden Tage verbrachten Vera und Hermann viel Zeit damit, ihr neues Familienmitglied in ihr Heim einzuführen und es teilhaben zu lassen an allen Dingen des täglichen Lebens. Brutus bereitete ihnen viel Freude. Er war lernfreudig, einfühlsam, und im Gegensatz zu seinem berüchtigten antiken Namensvetter sehr behutsam. Niemals biß er beim Spiel fest zu, und binnen kurzem war er unverzichtbarer Bestandteil der Familie Odendahl geworden. Vor allem ihr Enkelkind war verrückt nach ihm. Der Dreijährige tollte auf dem Wolfshund herum, schaute ihm in die Ohren, griff ihm in den Rachen, alles ließ der Hund mit sich geschehen. Groß war jedesmal der Schmerz für den Kleinen, wenn es mit den Eltern wieder nach Hause ging. 

                                                                        

Kapitel IV



   Der grüne Passat erstrahlte in makellosem Glanz, als käme er eben frisch aus dem Autohaus. Die blitzblank geputzten Fenster spiegelten das kalte Licht der Novembersonne wider, als er auf den Parkplatz vor dem Hallenbad fuhr, kein Fleck war zu erkennen, der Besitzer pflegte sein Fahrzeug mit Hingabe. Sorgfältig parkte der Fahrer, stieg aus, unter dem Arm die handliche Badetasche.  
   Eduard Schweitzer kam seit seiner Pensionierung regelmäßig hier her, schwamm zügig seine Bahnen, ließ sich kaum jemals ablenken, um nach einer knappen Stunde das Bad wieder zu verlassen. Mitunter hängte er noch einen kurzen Saunabesuch hinten an, je nach Laune, je nach der Zeit, die ihm zur Verfügung stand.
Soeben hatte er das helle, gläserne Gebäude betreten, als eine junge Frau gleichfalls ihr Fahrzeug verließ. Sie schloß ab und beschritt denselben Weg, eine blaue Sporttasche lässig über der Schulter. …
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