Abwrackprämie
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Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VII I
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Kapitel XV
Kapitel XVI
Kapitel XVII
Kapitel XVIII
Kapitel XIX
Kapitel XX
Kapitel XXI
Kapitel XXII
Kapitel XXIII
Kapitel XXIV
Kapitel XXV



In einem in wirtschaftlicher Blüte stehenden Staat existiert eine Schicht, die beinahe ein Viertel er Bevölkerung ausmacht: Die im wohlverdienten Ruhestand lebenden Rentner und Pensionäre sowie Menschen ohne Beschäftigung! Innerhalb kurzer Zeit kommen mehrere Personen besagter Randgruppe, nachdem sie eben erst das sechzigste Lebensjahr vollendet haben, auf unergründliche Weise ums Leben, was von den Amtsärzten meist mit Herzversagen quittiert wird. Ein Großteil der Bevölkerung betrachtet es offenbar als völlig normal, wenn ein rüstiger Rentner das Zeitliche segnet. Oder ein Arbeitsloser. Bis auf eine Gruppe von Ruheständlern, die sich als Betroffene gezwungen sehen, sich der Sache anzunehmen. Gemeinsam werden die Ursachen für das Dahinscheiden ihrer Freunde und Bekannten eruiert, und man kommt einer Aktion auf die Spur, welche in ihrer Perfidität einzigartig ist: Nicht etwa Altersschwäche ist es, die jene Menschen dahinrafft. Ebenso ist eine epidemische Krankheit nirgends zu entdecken. Auch sind es keine Unfälle, die für das Ableben verantwortlich zu machen wären. Selbstmord scheidet ebenfalls aus. Es ist der Staat, der versucht, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um seine wirtschaftliche Misere zu vertuschen, daher leitet er im Verborgenen einen in der Geschichte der Menschheit beispiellosen Genozid in die Wege, der unter dem Motto: Fertig gearbeitet, fertig gelebt, die völlige Eliminierung der Ruheständler zum Ziel hat. Gründe sind u. a. die Zahlungsunfähigkeit der ‚sicheren’ Rentenkassen sowie die schamlose Selbstbereicherung einiger gewissenloser Individuen. Es beginnt ein verzweifelter, ein ungleicher Kampf. Auf der einen Seite die Wirtschaft, der mächtige Staatsapparat mit seinen unbegrenzten bürokratischen Möglichkeiten, auf der anderen Seite eine Randgruppe der Gesellschaft, ohne Lobby, mit dahinschwindender Vitalkraft, die diesen maroden Staat ,nur Geld kostet’. Die Machthaber aber reagieren auf jegliche Einmischung äußerst empfindlich, schlagen brutal zurück und lassen die Störenfriede auf bestialische Art beseitigen. Was unter dem Deckmantel des Herzversagens offensichtlich ganz gut zu funktionieren scheint. Bald schon übersteigt die Zahl der Opfer die Zehntausendergrenze. Obwohl es gelingt, im Strudel von Korruption und Amtsmißbrauch den Drahtzieher dieser Massenmorde und direkten Beauftragten der Wirtschaft und der Bundesregierung zu identifizieren, laufen die Mühlen des Vernichtungsfeldzuges weiter, haben sich längst verselbständigt. Dieser Roman deckt zudem schonungslos die Ursachen auf, die zum Bankrott, zu der irreparablen Staatsverschuldung geführt haben und läßt kaum ein gutes Haar an den Bundespolitikern. Am Ende steht der Kollaps eines Staates, der zu den finanzstärksten der Welt zählte: Der des deutschen Staates. Betrachtet man die tiefgreifenden Einschnitte und Kürzungen im Gesundheitswesen der letzten Jahre, und spinnt man die Situation nur ein wenig weiter, dann erscheint einem selbst diese Perspektive noch als Untertreibung. Letztendlich aber betrifft die Thematik alle, die dem Rentenalter entgegen streben oder der Beschäftigungslosigkeit und nicht wissen, wie ihre Zukunft aussieht. Uns!

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Abwrackprämie

von
Francesco Lupo

Kapitel I


   Verrottendes Herbstlaub bedeckte den Waldboden wie ein schmutzig brauner Teppich und verwandelte den felsigen, leicht abschüssigen Weg in einen heimtückischen Pfad. Nur vage konnte Hermann Odendahl die faustgroßen Steine unter den trockenen Blättern erkennen, stolperte mehrmals; viel fehlte nicht, und er wäre gestürzt. Immer häufiger wendete er während der letzten Minuten den Kopf, suchte den Wald verzweifelt nach seinem Verfolger ab, konnte ihn einige Male orten, vernahm hinter sich dessen knisternde Schritte im Laub - der Mann aber hielt sich geschickt im Verborgenen.        
   Seit mehr als einer halben Stunde schlich er bereits hinter ihm her. Wenn Hermann kurz innehielt, tat es ihm sein Verfolger Sekundenbruchteile später gleich, sobald er jedoch weiterlief, spürte er in seinem Rücken sofort dieses untrügliche Zeichen einer drohenden Gefahr, was ihn wiederum veranlaßte vorwärts zu hetzen. Ein normales Gehen war es längst nicht mehr. Soeben passierte er eine flachen Senke, eine Art Hohlweg, und die ansteigenden Hänge warfen jedes Geräusch, jedes noch so geringe Rascheln ungewöhnlich laut zurück.  
Ruckartig blieb Hermann stehen. Mit der linken Hand wischte er sich den Schweiß vom Gesicht, seine rechte tastete unsicher nach dem dicken glatten Buchenstamm, unmittelbar am Wegrand. Schwer atmend preßte er seine Stirn gegen die kalte, graue, vom aufziehenden Nebel feuchte Rinde. Derartiges war ihm in seinem ganzen Leben noch nie passiert. 
   Diesen Wald kannte Hermann wie seine Westentasche. Seit seiner Pensionierung vor zwei Jahren fand er häufiger die Zeit für ausgedehnte Spaziergänge, meist begleitet von seiner Gattin Vera. Zuweilen kam es hier in den Wäldern zu Begegnungen mit Wildschweinen, wenn diese scheuen Tiere unvermittelt die Wege kreuzten. Vielleicht wurde er ja nur von einem brünstigen, allzu eifrigen Eber verfolgt, der ihn als unliebsamen Konkurrenten betrachtete. Denn jetzt im November war Rauschzeit, das wußte Hermann. Gefährlich waren diese Allesfresser zweifellos, unberechenbar, angriffslustig, wild. Erneut suchten seine bangen Blicke die Umgebung ab, auch diesmal ohne Erfolg.  
Ausgerechnet heute war er alleine unterwegs, seine Frau war verhindert. Mit Freundinnen saß sie in irgendeinem Buchladen und lauschte den Worten eines Autors, der sein neues Werk präsentierte. Den Titel hatte Vera ihm zwar genannt, etwas über Telepathie. …
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