Abwrackprämie
Kapitel I
Verrottendes Herbstlaub bedeckte den Waldboden wie ein schmutzig brauner Teppich und verwandelte den felsigen, leicht abschüssigen Weg in einen heimtückischen Pfad. Nur vage konnte Hermann Odendahl die faustgroßen Steine unter den trockenen Blättern erkennen, stolperte mehrmals; viel fehlte nicht, und er wäre gestürzt. Immer häufiger wendete er während der letzten Minuten den Kopf, suchte den Wald verzweifelt nach seinem Verfolger ab, konnte ihn einige Male orten, vernahm hinter sich dessen knisternde Schritte im Laub - der Mann aber hielt sich geschickt im Verborgenen.
Seit mehr als einer halben Stunde schlich er bereits hinter ihm her. Wenn Hermann kurz innehielt, tat es ihm sein Verfolger Sekundenbruchteile später gleich, sobald er jedoch weiterlief, spürte er in seinem Rücken sofort dieses untrügliche Zeichen einer drohenden Gefahr, was ihn wiederum veranlaßte vorwärts zu hetzen. Ein normales Gehen war es längst nicht mehr. Soeben passierte er eine flachen Senke, eine Art Hohlweg, und die ansteigenden Hänge warfen jedes Geräusch, jedes noch so geringe Rascheln ungewöhnlich laut zurück.
Ruckartig blieb Hermann stehen. Mit der linken Hand wischte er sich den Schweiß vom Gesicht, seine rechte tastete unsicher nach dem dicken glatten Buchenstamm, unmittelbar am Wegrand. Schwer atmend preßte er seine Stirn gegen die kalte, graue, vom aufziehenden Nebel feuchte Rinde. Derartiges war ihm in seinem ganzen Leben noch nie passiert.
Diesen Wald kannte Hermann wie seine Westentasche. Seit seiner Pensionierung vor zwei Jahren fand er häufiger die Zeit für ausgedehnte Spaziergänge, meist begleitet von seiner Gattin Vera. Zuweilen kam es hier in den Wäldern zu Begegnungen mit Wildschweinen, wenn diese scheuen Tiere unvermittelt die Wege kreuzten. Vielleicht wurde er ja nur von einem brünstigen, allzu eifrigen Eber verfolgt, der ihn als unliebsamen Konkurrenten betrachtete. Denn jetzt im November war Rauschzeit, das wußte Hermann. Gefährlich waren diese Allesfresser zweifellos, unberechenbar, angriffslustig, wild. Erneut suchten seine bangen Blicke die Umgebung ab, auch diesmal ohne Erfolg.
Ausgerechnet heute war er alleine unterwegs, seine Frau war verhindert. Mit Freundinnen saß sie in irgendeinem Buchladen und lauschte den Worten eines Autors, der sein neues Werk präsentierte. Den Titel hatte Vera ihm zwar genannt, etwas über Telepathie. …
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