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…  Ich erschlage doch nicht einen Mann, um anschließend beim Durchwühlen seiner Taschen festzustellen, daß er gar kein Geld bei sich hat. So etwas würde ich doch vorher herausfinden.“
„Wahrscheinlich doch ein Drogenproblem“, ließ Horst nicht locker.
„Also ich würde mich einfach vor ein Geldinstitut stellen, warten, bis ein Opfer mit gefüllter Brieftasche herauskommt, mich an seine Fersen heften, die passende Gelegenheit abwarten und zuschlagen“, warf Rüdiger, der emeritierte Medizinprofessor, der nach seiner Pensionierung mit seiner Gattin viel Zeit auf Teneriffa verbrachte und nach Weihnachten wieder für ein paar Tage dort hin zurückfliegen würde, mit leiser Stimme ein. Als Unfallchirurg hatte er im städtischen Klinikum viele Jahre Dienst getan, und nicht selten befand sich unter seinen Patienten einer mit eingeschlagenem Schädel.
„So etwas passiert ohnehin oft genug“, war vom Kripobeamten Bernd zu hören. „Es ist erschreckend, wie sorglos manche Menschen mit ihrem sauerverdienten Geld umgehen. Manche lassen es gleich in der Bank am Schalter liegen.“
Hermann, dessen Fuß fast wieder in Ordnung war, nickte beifällig, um anzuschließen:
„Aber diejenigen, die mit prallgefüllter Geldbörse im Wald spazierengehen, sind doch eher in der Minderheit. Nein, nein, ich muß dir Recht geben, Bernd. Diese Frau wollte mich erschlagen, daran besteht nicht der geringste Zweifel. Aber warum?“
„Ist doch sonnenklar!“ meldete sich sanft flüsternd Alex zu Wort, heute etwas später erschienen, weil er noch einen kurzen Bericht für seine Zeitung schreiben mußte, die, auch nachdem er in Rente gegangen war, nicht auf seine Mitarbeit verzichten wollte. „Diese Frau ist eine zurückgewiesene Jugendliebe von dir, Hermann. Neulich erst hat sie erfahren, daß du glücklich verheiratet bist, konnte das nicht verwinden und wollte dir ans Leder…“
Niemand ging auf diesen Einwurf ein, der zudem nicht ernstgemeint war, nur Vera warf Alex einen merkwürdig fragenden Blick zu.
„Hast du Feinde“, fragte Bernd, und man konnte glauben, er säße noch immer hinter seinem ehemaligen Schreibtisch und beginne gerade mit einem Verhör.
„Hermann hat doch keine Feinde!“ entfuhr es Vera.
„Walter hat natürlich recht, es fehlt am Motiv“, klang Bernd ein wenig resigniert. „Wir finden den Grund für diesen Zwischenfall nicht, und gerade das Motiv wäre in unserer Lage von größter Wichtigkeit.“ 
„Vielleicht hat Hermann ihr kürzlich einen Parkplatz vor der Nase weggeschnappt“, gab Versicherungsagent Horst zum Besten. …
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