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…  Zu eng, um darin für so viele Menschen zu kochen, diente sie im allgemeinen der Zubereitung von Kaffee oder Tee für die Nachmittagsstunden, für das Aufschneiden von Kuchen oder das Zurechtmachen von Gebäckschälchen während der Adventszeit.  
Der Fahrer entstieg dem Lieferwagen, öffnete geräuschvoll die seitliche Schiebetür und zog einen großen verschlossenen Kessel nach vorne mit flüssigem Inhalt, wie sich am leichten periodischen Wackeln des Topfes unschwer erkennen ließ. Inzwischen hatte ein Helfer des Heimes einen Wagen herausgebracht, und gemeinsam hoben sie den schweren Suppentopf auf die Plattform des Karrens. Im Anschluß wurden zwei weitere Pötte ausgeladen, der kleinere enthielt Fleisch, der andere die Beilagen. Zuletzt landeten noch die Behälter mit dem Gemüse und dem Nachtisch obenauf. Nun schoben die beiden Männer die Karre ins Haus und brachten sie in den großen Speisesaal, wo sie bereits von zahllosen Seniorinnen und Senioren erwartet wurden. Rasch luden die zwei die Töpfe ab und stellten sie auf eine breite Anrichte, danach verließ der Fahrer das Seniorenheim und machte sich auf die Weiterfahrt. ‚Santa Anna’ war eines von vier Heimen, die er belieferte. Auf seiner Rückfahrt holte er die leeren und mittlerweile gereinigten Behälter wieder ab. 
Vierzehn Arbeitstage tat er Dienst, anschließend hatte er eine Woche frei. Es war kein schwerer Job.

***

   Seit dem bedrohlichen Zwischenfall im Wald waren mehrere Tage verstrichen, Hermann und Vera hatten es sich nachmittags im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Sie servierte heißen Tee, er brachte einen Butterstollen herein, schnitt ihn an, und die beiden genossen, noch bevor die Adventszeit richtig begonnen hatte, das erste Weihnachtsgebäck. Vera nahm sich ihr Strickzeug zur Hand, während Hermann in der Tageszeitung blätterte. Das komplizierte Kreuzworträtsel aus der Zeitungsbeilage hatte er beiseite gelegt, er kam momentan nicht weiter. Es war eine kleine Leidenschaft von Hermann, jene Art Rätsel zu lösen, deren komplizierte Fragen kaum zu verstehen waren. Aber irgendwie schaffte er es beinahe immer, am Ende als Sieger hervor zu gehen, hartnäckig wie er war. Oftmals rätselte er gemeinsam mit Bernd, der in diesem Hause immer willkommen war.  
   Die Zeitung offenbarte viel Negatives: Der Finanzminister schloß auf der einen Seite unerwartete Milliardenlöcher nicht aus; im Gegenzug wurde ein neues Regierungsgebäude eingeweiht, das beinahe eine halbe Milliarde verschlungen hatte. …
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