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…  Die Krise im Nahen Osten erreichte einen weiteren Höhepunkt, und die Rentenkassen wiesen besorgniserregende Zahlen auf; schwindende Zahlen.
Lange schon verweigerten die gesetzlichen Krankenkassen ihren älteren Mitgliedern kostspielige Behandlungen und Zuschüsse für Zahnersatz oder Brillen; Kuren wurden den Ruheständlern gänzlich gestrichen. Darüber hinaus entrichteten sie bei ihren Arztbesuchen pro Quartal den doppelten Obolus, verglichen mit Patienten, die noch nicht in Rente waren. Im Grunde stand nichts Neues in dem von Vera und Hermann seit Jahren abonnierten Blatt. 
Ein Artikel jedoch fand Hermanns Interesse. Dort wurde der Tod einer 61-jährigen Frau erwähnt, die tagelang in ihrem Gewächshaus gelegen hatte, bevor sie von einer Freundin gefunden worden war. Die Frau, eine gewisse Else Neubarth, lebte alleine; als Todesursache war Herzversagen vermerkt.   
   Hermann schloß die Seiten und blickte sorgenvoll auf Vera, die, in ihr Strickzeug vertieft, Masche um Masche hinzufügte, wobei ganz allmählich ein kleines Jäckchen entstand, das sie ihrem Enkel zu Weihnachten schenken wollte. Was wäre, dachte er, wenn seiner Vera so etwas zustoßen würde? Er konstatierte: Dieser Gedanke war für ihn unerträglich. 
   Es läutete. Bevor Vera ihr Strickzeug beiseite legen konnte, stand Hermann schon und ging zur Tür. Kurz darauf kam er mit Bernd zurück ins Wohnzimmer, der begrüßte Vera herzlich und setzte sich auf die Couch neben sie. Im Nu stand eine Tasse Tee vor ihm, den Stollen lehnte er ab. Er achtete trotz seines Alters peinlichst auf seine Figur. Bernd spielte Tennis mit seiner Frau Sabine, lief regelmäßig im Wald, war nach wie vor unglaublich gut in Form. In seinem Gesicht ließen sich Sorgenfalten erkennen. Und lange wartete er auch nicht, den Grund seines Erscheinens kundzutun. 
„Wißt ihr“, begann er, „die Sache mit diesem Querschläger hat mir keine Ruhe gelassen. Was lag näher, als meinen früheren Kollegen einen Besuch abzustatten, um einen Blick in die Akten von damals zu werfen. Der Beamte, der für die Aktenaufbewahrung verantwortlich ist, wollte mir keinen Einblick gewähren! Könnt ihr euch das vorstellen? Hat mir die Einsicht glatt verweigert. Erst als ich einen Mitarbeiter meiner ehemaligen Dienststelle getroffen habe, hat es doch noch geklappt. Aber was ich herausgefunden habe, bereitet mir Sorgen.“
Bernd nippte kurz am heißen aromatischen Getränk.
„Es wurden seinerzeit in der Sparkasse von der Eingreiftruppe offiziell 5 Schüsse abgegeben. …
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