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…  Die Unterhaltung im Bus drehte sich nur noch um die eine Frage, weshalb Bernd als einziger keine Medikamente erhalten hatte und warum die Schwester ihn mit, Herr Professor’ angeredet hatte.
„Vielleicht liegt es daran“, erinnerte sich Bernd, an Rüdiger gewandt, „daß ich deine Wertsachen entgegen genommen habe, als du geschlafen hast.“
Mit einemmal war es klar. Die Schwestern hatten durch die Papiere in Erfahrung gebracht, daß sich unter den Eingelieferten ein Arzt befand und Bernd für denselben gehalten. Deshalb wurden ihm keine Tabletten gegeben. Warum aber allen anderen? Diese Frage war nicht endgültig zu klären; was blieb, war Rätselraten.       
   Aber Hermanns Vermutung deckte sich mit jener Rüdigers zu hundert Prozent. Abgrundtief gingen ihre Überlegungen, brachten ihr Blut in Wallung, setzten sich auseinander mit dem Unbegreiflichen, mit dem Unfaßbaren, das über sie hereinzubrechen drohte. Einem unterkühlten Menschen diese Medikamente zu verabreichen, erklärte Rüdiger, sei gleichzusetzen mit der latenten Absicht einer Gesundheitsgefährdung. Wenn nicht mehr …


Kapitel V



   „Ich brauche wohl nicht ausdrücklich zu betonen, daß ich offiziell gar nicht hier bin“, sagte der Mann im Nadelstreifenanzug mit verhaltener Stimme und drückte sich den großen, grauen Hut noch ein wenig tiefer ins Gesicht. 
Er war als letzter zur Versammlung erschienen, durch einen Hintereingang hereingeführt, vermummt wie jemand, der von einer ansteckenden Krankheit befallen war. Selbst als er bereits in seiner Ecke Platz genommen hatte, zeigte er sein Gesicht nicht.  
„Natürlich nicht, Herr ...!“ 
Gastgeber Rudolf Grabow unterbrach sich, noch bevor er den Namen des Mannes aussprach. „Selbstverständlich. Auch das heutige Treffen hat nie stattgefunden! Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Das versteht sich von selbst.“
Wenn auch das Gesicht des verspäteten Gastes nicht zu erkennen war, so wußte doch jeder im Raume, wer dort in der Ecke saß. Es war kein Geringerer als Wolfgang A. Heberer, die Rechte Hand des Bundesfinanzministers. Den Aktionen des Herrn Grabow wurde mittlerweile von allerhöchster Stelle die größte Aufmerksamkeit zuteil. 
   In der 26. Etage des Versicherungsgebäudes hatten sich zu nachtschlafender Zeit mehrere Personen eingefunden. Die Fenster waren verhängt, das Licht auf ein Minimum reduziert. Auf den Tischen lag kein Stückchen Papier, kein Schreibgerät, nichts. Wer wollte auch bei einer Versammlung, die ‚offiziell gar nicht stattfand’, etwas aufschreiben. …
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