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Von Finanzminister Meiningers medienwirksamen Fernsehauftritt wußte Grabow nichts, auch davon nicht, daß ein Millionenpublikum sein Gesicht kannte und er zum meistgesuchten Menschen in Europa  geworden war. Selbst von der Verhaftungswelle in Deutschland hatte er keine Ahnung.
Mit einemmal brannte in seiner Stofftasche, die er während des ganzen Fluges am Gürtel trug, ein unerträgliches Feuer, ausgehend von jenem für ihn so wichtigen Dokument, das belegte, wo in Uruguay er das Geld deponiert hatte. Sein Geld. Die beiden Beamten wußten davon. Kannten mit Sicherheit die genaue Summe. Er mußte das Dokument in Sicherheit bringen, fand die Augen seiner Opponenten darauf gerichtet, fühlte es sich entrissen, weggenommen, vernichtet. Grabow begann in einem ungewohnten Maße zu transpirieren. Immer fester krallten sich seine dicken Finger in die Tasche. 
Von seinen Bewachern jedoch dachte keiner mehr an dieses Dokument. Sie wußten um die Wertlosigkeit desselben. Und die vielen Tausende von Dollars in der Tasche interessierten sie nicht.

Kapitel XXIII



   Braune besorgte Augen waren auf den Mann gerichtet, der dort auf der Couch lag, in dessen Rücken sich ein Kissenberg auftürmte, und dessen Finger nervös auf einer Akte trommelten. Es waren die Finger seiner rechten Hand; linker Arm und Schulter steckten in einem blütenweißen Verband. Der Arm des Mannes war fest am Oberkörper fixiert. Sein Blick schien ins Leere zu gehen, er war offenbar damit beschäftigt, die bunt gemusterte Decke zu betrachten, die auf seinen Beinen lag. Sie war viel zu warm, es war Sommer. Mit einem Fuß wischte er sie beiseite, nun lag sie auf dem Teppich.
„Du sollst dich nicht anstrengen!“
Die Warnung, die von der Tür herüberkam und seine Gedankengänge unterbrach, war durchaus gut gemeint. 
„Es strengt mich nicht an, Eleonore. Ich verstehe nur so vieles nicht.“
Die Frau trat näher und stellte eine Tasse dampfende Hühnersuppe auf den Tisch. Der Duft der heißen Brühe ließ den Mann unbeeindruckt. Obwohl es bereits nach 14 Uhr war und er seit dem Frühstück nichts gegessen hatte. Er bedachte die Suppentasse nur mit einem kurzen Seitenblick, gleich darauf trommelten seine Finger weiter.
   Die Verletzung an seiner linken Schulter hatte sich als nicht schwerwiegend erwiesen. Es handelte sich um einen glatten Durchschuß, große Gefäße waren nicht verletzt worden. Die Wunde war gereinigt und zusammengenäht worden. Daher war Richter a. D. Ewald Stark nach der Notoperation nur für kurze Zeit auf die Station gebracht worden. …
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