Wer auf ihn geschossen hatte, interessierte ihn im Augenblick wenig. Mit Sicherheit war es einer jener Auftragskiller, die gegen Bezahlung die schmutzige Arbeit erledigten, an die sich seine Auftraggeber selbst nicht herantrauten. Beamte der Frankfurter Kripo hatten zwar den Wagen und die Umgebung untersucht, eine brauchbare Spur konnten sie nicht entdecken. Niemand hatte einen Schuß gehört, keiner etwas Verdächtiges gesehen. Allein dieses Spezialgeschoß - das zuerst die Windschutzscheibe und hinterher die Schulter des Richters durchdrungen hatte, danach die Rückenlehne des Saab, anschließend den Rücksitz, bis es endlich im hinteren Blech des Tanks steckenblieb – konnte den untersuchenden Beamten Hinweise liefern über seine Herkunft. Es gab nicht viele Waffenarten mit diesem Kaliber, und schnell waren sowohl der Produzent als auch der Lieferant ausfindig gemacht. Beide saßen in den Vereinigten Staaten von Amerika und beriefen sich auf ihre Schweigepflicht ihren Kunden gegenüber.
Sofort nach seiner Rückkehr aus der Klinik hatte sich Stark durch einen seiner Mitarbeiter mit Aktenmaterial versorgen lassen. Er konnte im Moment einfach nicht von der wahnsinnig spannenden Untersuchung lassen, so sehr beschäftigten ihn diese ungeheuren Zahlen, die verschwanden und wieder auftauchten, die sich auf wundersame Weise vermehrten, bis ihre Größe jedwede Vernunft sprengte.
Seine Frau hatte das Wohnzimmer wieder verlassen, Richter Stark löffelte lustlos seine Suppe, die ihm dennoch zu schmecken schien, stellte sie jedoch bald zur Seite. Er erwartete einen Besucher.
Nachdem sich bei dem Richter die Erkenntnis durchgesetzt hatte, er sei mit dieser Aufgabe alleine restlos überfordert, bemühte er sich um einen Finanzexperten und Wirtschaftswissenschaftler. Der hatte sein Kommen und seine Unterstützung zugesagt. Stark wartete.
Die Suppe war kalt geworden, Eleonore brachte sie hinaus, ein wenig gekränkt, daß ihre Mühe so wenig Beachtung fand. Aber sie wußte, daß es die Brisanz der Arbeit war, die ihren pensionierten Gatten alles andere vergessen ließ. Es läutete an der Tür.
Frau Stark führte den Besucher ins Zimmer, die Männer begrüßten sich freundlich, sie hatten einander nie zuvor gesehen. Professor Kühn von der Uni Frankfurt nahm Platz und legte eine dünne Aktentasche auf seine Knie. Kühn war Experte für Finanzwesen, hielt einen Lehrstuhl inne, hatte vor Jahren schon einen Ruf ins Finanzministerium abgelehnt und war keineswegs überrascht, daß selbst ein erfahrener Richter mit dieser metierfremden Aufgabe an seine Grenzen geriet. …
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