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…  Nach seiner lange herbeigesehnten Pensionierung hatte er mit Vorliebe in seinem Garten gesessen, sich die farbenreichen Blumenbeete betrachtet, dem Summen der Insekten gelauscht, Vögel beobachtet und zwischendurch ein gutes Buch gelesen. Die Juristerei hatte er ad acta gelegt, seinen verdienten Ruhestand genossen. 
Auch am heutigen Abend wollte er sich wieder für einige Zeit auf dem gepflegten Rasen ausruhen. Ewald Stark trat aufs Gaspedal.

   Noch war M nicht nervös, noch war es taghell draußen, die Sicht ausgezeichnet, die Allee gut einzusehen. Die tiefstehende Sonne warf die dunklen Schatten der alten Bäume quer über die Straße und sorgte für wechselnde Sichtverhältnisse. Wie ein überdimensionierter Reißverschluß mutete die Allee jetzt an, direkt auf Ms Versteck gerichtet. Zum wiederholten Male griff er zur Waffe, schaute durch den Sucher und lehnte sich wieder zurück. Sein linkes Knie auf einer weichen Decke, konnte er minutenlang ein Ziel anvisieren, ohne Gefahr zu laufen zu verkrampfen.
Seine Hand griff in die Tasche, zog eine der Reservepatronen hervor, und prüfend liebkosten seine Augen das Geschoß. Es handelte sich um eine Spezialhülse, extra lang, um die ungewöhnlich hohe Menge des Treibmittels aufnehmen zu können. Die Reichweite des Gewehrs wurde nur im Ausnahmefall genutzt. Gewöhnlich lag die Gebrauchsweite unter 500 Metern, das war einfach sinnvoll. Denn die Ziele, die es in aller Regel zu treffen galt, waren schon auf diese Distanz extrem winzig. Sie hatten nur noch die Größe einer Münze. Ohnehin eine Herausforderung. Wieder schaute der Mann durchs Glas.  
   Stark näherte sich der Linkskurve, bremste den Saab ab. Die Kurve war zwar übersichtlich, aber nicht zu unterschätzen; er kannte sie zur Genüge. Einmal, in jungen Jahren, war er sie mit seiner Honda zu schnell angefahren, mußte ungewöhnlich stark abbremsen und landete inmitten einer spektakulären Staubwolke in einem Maisfeld. Viel war nicht passiert, seine Schulter schmerzte einige Tage, und die Gabel des Motorrades hatte sich verzogen. 
Daher war ihm diese Kurve bekannt. Auch mit dem Cabrio befuhr er sie oftmals ein wenig zu offensiv, steuerte dagegen, wenn der Wagen auszubrechen drohte und fing ihn gekonnt wieder ab; es bereitete ihm einfach Vergnügen. 
Unmittelbar nach der Kurve begann die endlose Allee. Stark brachte die gefährliche Kehre hinter sich, beschleunigte den Saab wieder etwas, überholte den LKW einer Brauerei und fuhr nun gemächlich durch ein Wechselbad von Licht und Dunkel. …
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