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…  Wissen Sie, fliegen alleine ist schon furchtbar langweilig. Aber in der Nacht eine Frachtmaschine zu steuern, das übertrifft alles andere.“
Damit verabschiedete sich der Pilot vorläufig. Der Tee belebte ihre Geister, das Frühstück schmeckte köstlich, es gab Schinken, Toast und Erdbeermarmelade. Die Qualität hier war um keinen Deut schlechter als in den überfüllten Passagiermaschinen.

   Grabows ‚Kabine’ ließ diesen Luxus gänzlich vermissen. Sein Zifferblatt zeigte 12 Uhr mittags, er bekam Durst. Er hatte von den Früchten gegessen, seine Finger waren vom Mangosaft verklebt, er wollte sich die Hände waschen. Außerdem juckten die Verletzungen an seinen Beinen, verursacht durch die Barrakudaattacken, wieder stärker. Die Batterien der Taschenlampe waren fast erschöpft, sie steckte in seiner Hosentasche. Schließlich stand er auf, streckte seine Hand aus, öffnete behutsam die Containertür einen Spalt weit, aber im Bauch der 747 war es beinahe ebenso dunkel wie in seinem Versteck. Nur einige Lampen der Notbeleuchtung tauchten die Umgebung in diffuses Licht. Grabow drückte die Tür nach außen und stand im Frachtraum.
Wohin sollte er sich wenden? In jedem Flugzeug gab es mehrere Toiletten, dort würde er Wasser finden. Meist waren sie an der Innenseite angebracht. Allerdings handelte es sich hier um keine umgebaute, sondern um eine reine Frachtmaschine. Wie es um deren Waschräume bestellt war, entzog sich seiner Kenntnis. Container um Container tastete sich Grabow weiter nach hinten, sie hatten alle dieselben Ausmaße, etwa fünf Meter lang und vier Meter breit. Und alle waren sie beschriftet mit den Namen ihrer Zielorte. Das interessierte ihn im Moment allerdings nicht, er hatte Durst!
   Die Toilette am hinteren Ende des Flugzeuges schien wenig benutzt, aber die Beleuchtung funktionierte, und es floß sogar klares Wasser. Grabow trank gierig, wusch seine Finger und sein Gesicht mit der kühlen Flüssigkeit und betrachtete sich in dem staubigen Spiegel. Er sah übernächtigt aus, fühlte sich völlig zerschlagen vom stundenlangen Sitzen auf den harten Stapeln Tabak, die er vergeblich zu einer Liege zusammenzustellen versucht hatte. Seine Finger griffen sich einige Papiertücher, er wischte seine Hände ab und ließ die Tücher achtlos zu Boden fallen. Sie waren beschriftet. Eines davon hob er wieder auf und las: Lufthansa. 
Das war merkwürdig! Wieso benutzten sie in einer brasilianischen Maschine Tücher der Lufthansa? …
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