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…  Insgeheim lachte Grabow darüber.
Einige Tage zuvor in Nasau hatte er eine ungewöhnlich lange Wartezeit in Kauf nehmen müssen, bis die hunderttausend Dollar endlich in jener Zweigstelle eingetroffen waren. Er mußte wieder ins Hotel zurückfahren, und erst am nächsten Tag konnte er das Geld in Empfang nehmen. Der Betrag dürfte ausreichen, um die anfallenden Reisekosten zu begleichen, dachte Grabow süffisant. Die Busfahrt nach Ndalomo kostete 2 Dollar. Die Schiffscrew der Shell Oil, die ihre Passagiere inoffiziell an Bord genommen hatte, gab sich mit bescheidenen 200.- Dollar zufrieden, für alle drei; Grabow bezahlte sie mit einem Lächeln aus seiner ‚Portokasse’.   
   Der Bug des Versorgungsschiffes durchpflügte die Meeresstraße zwischen den Inseln, weißer Schaum schwebte über den beiden stattlichen Wellen, die sich pfeilförmig vom Rumpf entfernten und schließlich von der ruhigen See aufgesogen wurden; noch war es heller Tag. 
„Sie haben in Sydney nur eine knappe Stunde Aufenthalt, wenn unser Flieger dort pünktlich landet“, sagte Lothar und zeigte eine besorgte Miene. 
Trotz des eingefrorenen Lächelns in seinem Gesicht war Grabow nervös. Seine Finger verrieten ihn, als er versuchte, mit seinen Nägeln den Lack von der metallenen Reling zu kratzen. Bernd registrierte es mit der ihm eigenen Gelassenheit.
„Er wird pünktlich landen“, erwiderte er zuversichtlich und dachte an sein gestriges Telefongespräch mit Hermann, der ebenfalls darauf brannte, dieses Abenteuer endlich zu aller Zufriedenheit beendet zu sehen. 
   Langsam und geräuschvoll näherte sich das alte Schnellboot der Hafeneinfahrt von Rakiraki. Kurz nach 11 waren sie auf der Nordinsel abgefahren, jetzt war es noch nicht einmal 14 Uhr. Im Vergleich zu einer Standardfahrt mit dem alten Postschiff eine Rekordzeit. 

***

   Vera las die Zeitung, Hermann schaute ihr über die Schulter, es stand viel Neues darin. Gott sei Dank fehlten seit geraumer Zeit die obligatorischen Todesnachrichten der letzten Monate, das Massensterben hatte schlagartig aufgehört. Allmählich verbreitete sich die Kunde, daß sich die ältere Generation wieder zum Arzt wagen durfte – und behandelt wurde; ohne Wenn und Aber. Eine Zentnerlast fiel von den Schultern der Odendahls. Waren es doch hauptsächlich die Menschen jenseits der Sechzig, denen eine gründliche medizinische Betreuung so lange Zeit versagt geblieben war, obwohl sie ihnen am meisten am Herzen lag. Daß sie sich diese in vielen harten Jahren verdient hatten, stand außer Frage. …
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