Grabows Bestürzung war grenzenlos. Er starrte Bernd ungläubig an, murmelte etwas Unverständliches, schließlich räumte er ein, daß er niemals in Skandinavien gewesen war. Nur damit er hier vor Landsleuten seine Ruhe hatte, hätte er sich als Schwede ausgegeben. Und Olof Lundberg hieß er schon gar nicht; er komme aus Deutschland.
Bernd und Lothar zeigten sich darüber sehr amüsiert. Im Anschluß klärten sie ihn auf, daß sie aus der Schweiz stammten. Als Bernd noch hinzufügte, gar nicht schwedisch sondern dänisch zu sprechen versucht zu haben, drang das Gelächter der drei bis auf die Terrasse hinaus.
Spürbare Erleichterung war Grabow anzumerken, und die Unterhaltung wurde auf deutsch fortgesetzt, in einer Sprache, die ihnen allen am besten vertraut war.
Nun erzählte Grabow ausführlich und unaufgefordert, was ihm mit diesem Flittchen widerfahren war, dieser Philippinin, wie sie ihn alleine im Meer zurückgelassen hatte, wie er von riesigen Fischen attackiert, schließlich von den Fischern entdeckt und in deren Hütte gebracht wurde. Und von seiner mühevollen Reise zurück ins Hotel. Von den verlorenen Dollarnoten verriet er nichts, diese Schande behielt er für sich. Auch verschwieg er, daß ihm die Gendarmen die Geschichte nicht ganz abgekauft hatten, und daß die verschwundene Frau der eigentliche Grund für seinen nunmehr erzwungenen Aufenthalt war, nicht das vermißte Boot. Stattdessen sagte er:
„Jetzt hoffe ich nur, daß sie dieses Fräulein recht bald finden. Zusammen mit dem Boot. Sonst sperren sie mich noch ein. Dabei bin ich absolut unschuldig.“
Lothar und Bernd tauschten einen kurzen Blick. Unschuldig war er. Genau so stellten sie sich einen Unschuldigen vor. Die Personifizierung der Unschuld saß bei ihnen, selber ein armes Opfer der brutalen Menschheit. Es war unbeschreiblich traurig.
Grabow fragte nicht, aus welchem Teil der Schweiz seine Gesprächspartner stammten, nicht nach der Länge ihres Aufenthaltes, bemerkte nicht einmal den fehlenden rauhen Akzent, es interessierte ihn nicht! Auch ihre Namen, Reuter und Steiner, nahm er kaum zur Kenntnis.
„Was machen Sie, wenn das Boot mit der Frau nicht gefunden wird?“ fragte Lothar.
„Dann sitze ich für lange Zeit hier auf der Insel fest“, antwortete Grabow düster und ertränkte seinen berechtigten Kummer gerne in dem bernsteinfarbenen schottischen Whisky.
„Wann wollten Sie denn wieder abreisen“, erkundigte sich Lothar unbeteiligt.
Grabow überlegte. …
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