A     A     A
… 
Lothar folgte ihm auf dem Fuße, ein bißchen besorgt, Bernd könnte ihre Mission vergessen und sich Grabow greifen. Motive hatte er genug. Aber seine Bedenken waren unbegründet.
Gelassen schlenderten sie in Richtung Theke, setzten sich ein paar Meter entfernt ans gegenüberliegende Ende und kundschafteten aus, was Grabow trank. Es war Whisky, daran bestand kein Zweifel. Was für eine Sorte aber? Der nette Barkeeper half unfreiwillig mit, indem er den beiden Freunden auf deren Wunsch das gleiche Getränk servierte, das auch Grabow, wie  jeden Abend, vor sich stehen hatte.  
„Lassen Sie die Flasche gleich hier“, raunte Lothar dem Manne leise zu und hielt sie demonstrativ gegen das Licht. Der Barmann notierte das Getränk routiniert auf einem Zettel.
Grabow, den der Schnurbart entscheidend veränderte, bewies einen exquisiten Geschmack, der schottische Malt - Whisky kostete an dieser Theke annähernd 90.- Dollar, wie ein Blick auf das Getränke- Billett verriet. Bernd hob dennoch sein Glas, prostete Lothar zu und wartete, bis Grabow den Kopf drehte und zu ihnen herüber schaute. 
„Skal!“ sagte er laut und hob das Glas etwas höher.
Grabow saß alleine, blickte sich unsicher um, zweifelnd, ob jener Toast ihm galt, nahm schließlich sein Glas und deutete kurz in Bernds Richtung, bevor er einen kräftigen Schluck nahm. 
Bernd ritt schon wieder der Schalk. Er wußte, daß Grabow kein Schwede war. Wie es um dessen Kenntnisse bezüglich dieser skandinavischen Sprache bestellt war, wußte er allerdings nicht. Dennoch lud er Grabow ein mit ihnen zu trinken. Der zögerte, abgrundtiefes Mißtrauen war sein ständiger Begleiter. 
Bisher, so überlegte er, hatte es ihm nicht viel geholfen sich abzusondern, und so setzte er sich schließlich zu den beiden hinüber. Die Unterhaltung fand auf englisch statt. Grabow erzählte müheselig, was Bernd und Lothar ohnehin bereits wußten. Sie erfuhren zudem, daß Grabow die Insel nicht verlassen durfte, bis sich die Sache mit dem Diebstahl aufgeklärt hatte. Häfen und Flughäfen wurden überwacht.
Rudolf Grabow kannte Bernd nicht persönlich, hatte ihn nie zu Gesicht bekommen, wußte nur dessen Namen, den er selbst auf Juris Todesliste setzen ließ.  
Ergo befand sich Bernd zweifellos im Vorteil. In seinem Gedächtnis kramte er so lange, bis ihm einige dänische Worte einfielen, die er beliebig aneinander reihte und Grabow sehr konzentriert vortrug. Ihre Bedeutung kannte Bernd selbst nicht genau, aber es handelte sich um die Kopenhagener Meerjungfrau, die im Laufe ihres Lebens durch Vandalen mehrmals ihres hübschen bronzenen Kopfes verlustig ging. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
344 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.