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Grabows unwilliges Gesicht verriet seine Gedanken, legte sie bloß, Maria konnte sie lesen. Seinen animalischen Trieb, seine Ungeduld, selbst die ungewöhnliche Ausbuchtung seiner Shorts entging ihr nicht. Sie lächelte ihn unter Wasser an.
Maria war keine schlechte Schwimmerin. Hinzu kam, daß sie nur annähernd halb so alt war wie Grabow, der in seinem Leben niemals irgendeine Art Sport betrieben hatte. Schon nach wenigen Minuten im Salzwasser des pazifischen Ozeans begann der Büromensch spürbar mit einer gewissen Kurzatmigkeit zu kämpfen, wollte sich jedoch diese Schwäche vor der jungen Frau nicht eingestehen. In der Folge versuchte er mehrmals spielerisch ihr nachzujagen, aber die Frau war stets einen Tick schneller. Immer wieder ließ sie ihn nahe heran kommen, um kurz davor abzutauchen und das Weite zu suchen. Grabow schluckte mehr Wasser als ihm lieb war, hustete, spuckte es wieder aus, und nach einigen vergeblichen Versuchen, seine Exotin doch noch zu fassen, gab er auf. 
Der Mann legte sich auf den Rücken und ließ sich mit der Dünung treiben. Er fürchtete, bald nicht mehr die Kraft zu haben, zum Boot zurückzuschwimmen. Ziemlich weit hatten sie sich schon entfernt vom Schiff, von seinem Ledertäschchen, von seinem Kapital - von seinem Lebensinhalt. 
Maria war verschwunden. Grabow suchte mit brennenden offenen Augen die Gegend unter sich ab, aber außer ein paar Fischen, die sich hektisch zwischen den Korallen jagten, konnte er nichts ausmachen. Sie wird doch nicht ertrunken sein, dachte er. Nach weiteren vergeblichen Ausblicken entschloß er sich, zum Boot zurückzukehren und dort auf die Frau zu warten.
Plötzlich vernahm er entfernte Motorengeräusche. Sein Kopf zuckte herum, er starrte in alle Richtungen, konnte aber außer seinem Boot kein weiteres entdecken. Dieses Boot jedoch begann sich zu bewegen. Am Steuer stand Maria, noch immer unbekleidet, drehte am Rad, wendete das Schiff und hielt auf ihn zu. Knappe 100 Meter hatte sie zurückzulegen, tuckerte langsam näher. Der Bug zeigte genau auf Grabow, der winkte und schließlich versuchte, zur Seite auszuweichen. Aber wie sehr er sich auch abmühte, der scharfkantige Bug zielte beständig auf ihn. Nur noch wenige Meter trennten ihn davor überfahren zu werden. Was um alles in der Welt hatte diese Frau im Sinn? Wollte sie ihn umbringen? 
„Was machen Sie?“ rief er verzweifelt, erhielt jedoch keine Antwort.
Wohin Grabow sich auch wandte, das Schiff folgte seinen Bewegungen wie ein Spiegelbild. …
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