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…  Aus dunklem Metall gegossen zierten sie die Eingangsfront des über hundert Jahre alten Baues am Frankfurter Börsenplatz - der drittgrößten Wertpapierbörse weltweit.  
Der etwas kleinere Bär symbolisierte die Baisse, jene unangenehme Talfahrt der Kurse, während der überlebensgroße Stier, Symbol unerschöpflicher Potenz, für eine Hausse stand, für die bei den Börsianern so beliebte steile Aufwärtskurve der Wertpapiere. 
   Der Vorplatz des Gebäudes präsentierte sich an jenem Donnerstag menschenleer, lediglich die grauen Pflastersteine wurden von der mittäglichen Sonne beschienen, der Bau selbst wirkte unbewohnt. Vor mehreren Tagen hatte eine im Eilschritt ausgewählte deutsche Behelfsjustiz ihre stählernen Klammern auf den Frankfurter Parketthandel gelegt und beabsichtigte nicht, sie in absehbarer Zeit wieder zu lösen. Die Kommissare - eine bunt zusammengewürfelte Truppe, bestehend aus pensionierten Richtern, Staatsanwälten und Börsenmaklern - gingen rigoros vor, besetzten alle Räumlichkeiten, belegten Akten, Computer und Telefone mit Beschlag, die Juristen unterzeichneten jede Menge Haftbefehle und lösten damit eine Welle von Verhaftungen aus. Sie fanden bei den Beschuldigten jedoch nicht die Unterstützung, die dieser so ungeheuer wichtigen Mission gerecht geworden wäre. 
   Die Lawine, ausgelöst von Bernd mit seiner gnadenlosen Offenlegung während der mehr oder weniger friedlichen Besetzung des Senders in Mainz vor wenigen Wochen, legte allmählich ihren schweren Deckmantel über das Land, drohte es zu ersticken. Aber unter dem Mantel gärte es. Viele der beteiligten Politiker befanden sich auf der Flucht, wurden jedoch nach und nach ergriffen und an eine ersatzweise konstituierte Justiz ausgeliefert. Unter der Bevölkerung wurde der Schrei nach Vergeltung immer lauter, „Auge um Auge“ hieß es, die Einführung der Todesstrafe, eigens für diese verantwortungslosen Individuen, war in aller Munde. 
Jene Behelfsjustiz setzte sich zu einem großen Teil aus Frauen und Männern jenseits des Rentenalters zusammen, ausschließlich Ex-Juristen, die auf Grabows Abschußlisten gestanden hatten, die daher das allergrößte Interesse besaßen, alles bis ins kleinste Detail aufzudecken. Entsprechend rigoros fielen ihre Entscheidungen aus. Entscheidungen, die zwar nur provisorischen Charakter aufwiesen, aber von vorentscheidender Bedeutung waren.
Der Finanzminister wurde zusammen mit seinem kompletten Stab inhaftiert, daneben zahllose Versicherungsvorstände, Aufsichtsräte führender Pensionskassen, Verantwortliche der Rentenanstalten, zahlreiche Börsenmitarbeiter, Banker. …
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