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…  Auffallend groß, das schwarze Haar fiel ihr bis zur Taille, die zierlichen Füße steckten in Sandalen mit dünnen hellen Riemchen, in derselben Farbe leuchtete ihr kurzer Rock; kurz genug, dem Betrachter zwei schlanke, wohlgeformte Beine zu präsentieren. Unverwandt richteten sich die Augen der Exotin auf den großen ausländischen Mann an der Theke. Auch sie war Hotelgast, Grabow hatte sie mehrmals beim Dinner beobachtet. 
Schwer zu sagen, ob es der exzessive Genuß des schottischen Importartikels war, die lange Einsamkeit oder schlichtweg die Gunst der Stunde, die Grabow veranlaßte, den Blick der jungen Frau zu erwidern und einladend auf den freien Hocker neben sich zu deuten. Sie antwortete zunächst mit einem vielsagenden Lächeln, schien unentschlossen, wandte sich ab, wollte wieder gehen, drehte sich um, näherte sich und nahm schließlich kurz entschlossen neben Grabow Platz.
Der überlegte fieberhaft, ob er es wagen durfte, sie auf englisch anzusprechen, und mußte sich eingestehen, daß auf jeden Fall er die Unterhaltung beginnen sollte. 
„Wollen Sie einen Whisky?“ fragte er und gab dem Barkeeper ein Zeichen, ein zweites Glas herüber zu schieben.
Bereitwillig nahm sie es in Empfang, die Eiswürfel lehnte sie ab, Grabow schenkte gut ein. Auch sein eigenes Glas füllte er wie selbstverständlich nach. Sie ließen die Gläser klingen, tranken und stellten sie auf die blankpolierte Thekenplatte, auf der nach amerikanischem Vorbild mehrere Schälchen mit Cashewnüssen standen. 
„Sie sind alleine hier“, fragte die Frau vorsichtig, „oder ist da eine … Gattin?“
Lächelnd verneinte Grabow. Sein geiler Blick tastete ihre Figur ab wie ein Scanner. Er selbst war zwar nicht der Schönsten einer, sein Haar wurde am Hinterkopf schon merklich schütter, und in dem unvermeidlichen Wettlauf mit Namen: Welcher Körperteil ist der breiteste? dürften wohl seine Hüften den Sieg davontragen. Aber Grabow besaß Geld! 
Unter den zahlreichen Attraktionen auf diesem Erdball besitzt Geld noch immer unangefochten die besten Aussichten, die Spitze der Beliebtheitsskala zu behalten, dachte Grabow. Weit vor den fragwürdigen Eigenschaften Schönheit und Charakter oder der Macht, und was der unsinnigen Attribute mehr waren. Sein Geld gab ihm all dies zusammen: Selbstvertrauen, Macht, Charakter und damit auch Schönheit soviel er benötigte.
„Vielleicht bevorzugen Sie … Champagner“, flüsterte er weltmännisch, die Frau erstrahlte, und Rudolf Grabow gab ein erneutes Zeichen in Richtung Barkeeper. …
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