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…  Es war ein wuchtiges Werkzeug, die Schrauben widerstanden ihm nicht, und nach wenigen Minuten hatte Hermann das Rad gewechselt, den defekten Reifen in den Kofferraum gelegt, Nadja stand daneben; nun hielt sie den Schraubenschlüssel in Händen, ein wenig unsicher.
Dieses Bild erschien Hermann auf eine sonderbare Weise vertraut. Ein Déjà vu der selteneren Art überkam ihn. Diese Situation eben hatte er schon einmal erlebt, vor einiger Zeit, er rätselte fieberhaft, wo das war. Im Urlaub? Auf einem Parkplatz nahe der Fußgängerzone? Diese Frau mit dem Schlüssel in Händen und den stechenden Augen. Es fiel ihm nicht ein. Obwohl er unglaublich dicht davor war. Nadja legte den langen Schlüssel neben das platte Hinterrad und schloß die Heckklappe. Auch sie schien verwirrt zu sein, wie man an ihren fahrigen Bewegungen erkennen konnte.
„Danke!“
Mehr sagte sie nicht, gab Hermann noch einen Kuß auf die Stirn und stieg in den Wagen.
„Keine Ursache“, hauchte er dem abfahrenden Golf hinterher und wischte sich mit einem Taschentuch die schmutzigen Finger ab. 
Brutus stand an seiner Seite, mit den blütenweißen Reißzähnen beharrlich den Stock zerkauend. Da spürte er Hermanns Hand auf seinem Rücken und dessen unverkennbare Heimwärtsbewegung. Diese Geste, mit der sein Herrchen täglich den Nachhauseweg einleitete, unterschied sich grundlegend von seinen anderen Gewohnheiten. Sie war kantig, entschlossen; duldete keinen Widerspruch. Brutus drehte seinen geschmeidigen Körper, lief artig die gewohnte Strecke zurück, gefolgt von einem nachdenklichen Hermann. 

***

   Als erster entdeckte Bernd den Riß im Rumpf, zeigte darauf, wenig später zwängten sich die beiden Freunde aus dem Wrack hinaus ins Freie und standen kurz danach auf der nur noch zur Hälfte vorhandenen Tragfläche. Andere taten es den beiden Beamten gleich, und so erfuhren die offiziellen Ausgänge eine geringfügige Entlastung. Die meisten jedoch strebten weiterhin den Türen zu. 
Der Innenraum war bereits zu einem Viertel geflutet, als der untergehende Rumpf plötzlich Bodenberührung bekam. Die Korallensee war an diesem Punkt nicht sehr tief, das Wrack suchte sich eine stabile Lage und setzte sich gemächlich auf den kalkigen Grund. Die Mehrzahl der Passagiere, bereits bis zu den Knien im Wasser stehend, registrierte diesen unverhofften Aufenthalt nicht und drängte mit Macht zu den hellen, zu den rettenden Ausgängen hin. Ein junges Mädchen von 17 Jahren begann im vorderen Teil zu schreien, war nicht zu beruhigen und erdrosselte sich beinahe selber an seiner Schwimmweste. …
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