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…  Bernd und der Kapitän schleppten das Opfer zur halben Tragfläche hinüber, wo es mit vereinten Kräften vieler helfender Arme gelang, den Mann hinaufzuziehen. Was zur Folge hatte, daß andere Passagiere ins Wasser mußten. Wenig später lag er erschöpft auf dem glänzenden Aluminium, hustete leise, und die beiden Retter umsorgten ihn. Offenbar war es nur ein Schwächeanfall gewesen, hervorgerufen durch den Streß der Notwasserung, ansonsten fehlte ihm nichts, er erholte sich zusehends. 
Trotz der bevorstehenden Rettung durch die vielen Boote lag noch immer eine gewisse Anspannung über den Gestrandeten, die dichtgedrängt auf den relativ schmalen Tragflächen standen. Es wurde verhalten diskutiert, fremde Menschen halfen sich gegenseitig über den Schock hinweg, trösteten sich, sprachen sich Mut zu. Bei einigen konnte man sogar so etwas wie Humor spüren, ausgelöst durch die Entspannung, die derartigen Ereignissen gewöhnlich folgte. Trotz der Wärme des Wassers froren manche Frauen entsetzlich. Verantwortlich dafür war, neben dem Streß, der starke Westwind, der beinahe aggressiv blies.  
   Einer plötzlichen Eingebung folgend, zwängte sich Lothar auf dem Flügel zwischen den Menschen hindurch, stieg zurück in den leeren Flugzeugrumpf, watete durchs mittlerweile hüfthohe Wasser und holte das Handgepäck der beiden aus dem Fach über den Sitzen. Nun verfügten sie wenigstens über ihre Papiere und ausreichend Bargeld; ihr Reisegepäck im Rumpf war allem Anschein nach verloren. Mit nassen Hosen gesellte er sich anschließend wieder zu Bernd, um geduldig die Ankunft der Fischerboote zu erwarten, dem stürmischen Pazifikwind zum Trotz. 
 

Kapitel XVIII


 

   Während der Rückfahrt hielt Grabow die kleine, prallgefüllte Ledertasche fest in Händen, preßte seine linke Wange gegen die schmutzige Scheibe, die seit Menschengedenken nicht gereinigt worden war - wenn überhaupt jemals ein Schwamm das zweifelhafte Vergnügen hatte, in Kontakt zu geraten mit jenem uralten Bus, dessen undefinierbare Farbe selbst für einen versierten Maler nicht zu entschlüsseln war -  und wob in seinen Gedanken ein dichter werdendes Netz, mit dessen Hilfe es ihm gelingen sollte, etwas an Land zu ziehen, von dessen Existenz er bis vor kurzem selbst noch nichts ahnte.    
   Wie stets seit seiner Ankunft, so war Grabow auch an jenem Abend gleich nach dem Dinner unauffällig von seinem Platz verschwunden, um einen weiteren, wenig amüsanten Tag mit einem einsamen Strandspaziergang im Dunklen zu beschließen. …
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