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…  Es war ihr sogar gelungen, mit Brutus Freundschaft zu schließen, mit diesem wilden Ungetüm von Hund, dessen kalte feuchte Nase vor nichts und niemandem haltmachte.  
Ihre anfängliche Furcht vor jener Kreatur war einer nicht zu erwartenden Vertrautheit gewichen, die sie zuvor kaum für möglich gehalten hatte. Es war überhaupt nicht gefährlich den Hund anzufassen. Wenn er spielerisch mit seinen Zähnen ihre Hand packte, tat er dies so behutsam, daß sie niemals auch nur den Anflug von Angst verspürte. Selbst wenn sie mit Brutus ein paar Minuten alleine war, genoß sie den starken Beschützerinstinkt des Tieres, das die Frau längst als vollwertiges Mitglied im bescheidenen Rudel aufgenommen hatte.   
   Erstaunlicherweise mußte sie am heutigen Tag auf Hermann warten. Bei den vorangegangenen Treffen war stets er es gewesen, der als erster erschienen war. Nadja blickte auf die Uhr, es war gegen 9 Uhr 30, sie hatte keine Eile. Ihr Haar war seit dem Winter gewachsen, verlieh ihr mehr Weiblichkeit. Mit voller Absicht trug sie heute die durchsichtige ärmellose Bluse, dazu den engen Rock mit dem gewagten Schlitz an der Seite, Sandalen mit halbhohen Absätzen. Die Wucht ihres Parfums degradierte alle Blütendüfte im gesamten Umkreis zu Statisten; Nadja wollte Hermann betören. Vielleicht gestattete sie ihm sogar, seine Hand auf ihr Bein zu legen, man würde sehen. 
   In ihren Augenwinkeln bemerkte sie die Bewegung, ein grauer Schatten, der sich näherte. Danach vernahm sie scharfes Kratzen von Nägeln, oder besser: Von Klauen. Es waren die weichen Pfoten von Brutus, die den Waldweg entlang trabten und mit ihren Krallen kleine Steinchen herumwirbelten. Ihn störten die oft faustgroßen Felsstückchen nicht, wenn es darum ging einen Freund zu begrüßen. Genauer, eine Freundin. Schon stand der Wolfshund neben Nadja, leckte ihre Knie, preßte seinen Kopf gegen ihre Hand und verlangte seine Begrüßungsstreicheleinheiten. Sie tat ihm den Gefallen.
In einer Entfernung von etwa 10 Metern hielt Hermann inne. Die Frau auf der Bank erinnerte ihn plötzlich … an die griechische Göttin der Liebe, an die strahlende Aphrodite. Ihr langes Haar schimmerte im Sonnenglanz, ihre elfenbeinerne Haut vermittelte diese göttliche Reinheit und Unberührtheit, hemmungslose Erotik signalisierten ihre nackten Beine. Hermann stand wie angewurzelt. Erst allmählich löste sich seine Starre, zögernd schritt er weiter, schwebte auf die junge Frau zu, begrüßte sie mit einem zärtlichen Handkuß. …
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