Ein flüchtiger Blick in die gemütliche, im rustikalen Holzstil des Landes konstruierte Bar, direkt nach seiner Rückkehr ins Hotel, veranlaßte ihn jedoch, mit seinen hiesigen Gewohnheiten zu brechen und spontan an der Theke Platz zu nehmen. Die bemerkenswerte Reihe gefüllter Whiskyflaschen unterhalb des langen Spiegels hatte seine ungeteilte Aufmerksamkeit erregt. Dort standen verschiedene amerikanische Whiskeysorten, aus Kentucky und Tennessee, darunter einige berühmte Bourbon - Marken. Grabow liebte Whisky über alles. Allerdings war es der schottische, den er bevorzugte, und unter dessen Vielfalt schätzte er den berühmten Pure-Malt Whisky aus dem Glenn-Fiddich, aus dem Tal des Hirsches, mit seinem herben rauchigen Aroma, besonders.
Die ‚Blended’ Sorten waren ihm zu mild, zu süß. Ein richtiger Scotch mußte zunächst auf der Zunge ein leichtes Brennen verursachen, sollte danach im Rachen sein fließendes Feuer entfachen und sich schließlich im Magen zur wärmenden Ruhe begeben. Whisky zu trinken war für Grabow eine Zeremonie, der des Teetrinkens vergleichbar. Dafür brauchte es Zeit und Entspannung; der soeben beendete Abendspaziergang hatte ihm beides beschert.
Grabow war alles andere als ein Romantiker. Zu Beginn hatten ihn die Sterne der Südsee aufgrund ihrer Klarheit etwas irritiert, aber schnell hatte er sich daran gewöhnt; seit kurzem verhinderte ohnehin die zunehmende Bewölkung einen Blick darauf. Hinzu kam bei wolkenverhangenem Nachthimmel diese beinahe greifbare, diese alles verschluckende Finsternis, die ihn zwang, seine allabendlichen Ausflüge drastisch zu verkürzen.
Daher saß Grabow an jenem Abend schon recht früh an der Theke, bestellte sich erst einen doppelten Scotch, danach einen zweiten, im Anschluß befahl er dem Barkeeper, die Flasche bei ihm stehen zu lassen. Genüßlich schlürfte er die goldgelbe Flüssigkeit, ließ nur ab und an ein Stückchen Eis ins Glas fallen und beobachtete die kleinen Kapriolen, die der Eiswürfel vollführte, bis auch er endlich, in Auflösung begriffen, am Rande des Glases zum Stillstand kam. Beide, Grabow und der Eiswürfel, hatten nun ihre Ruhe gefunden. Allerdings ließ Grabow dem Würfel keine Chance sich im Whisky ganz zu verflüchtigen. Lange vorher kippte er das alkoholische Getränk in seinen unersättlichen Schlund, wobei er jedes Mal genießerisch die Augen schloß; einem Frosch nicht unähnlich, der ein großes Insekt verschluckt.
Als er sie wieder auftat stand unweit seines Hockers eine braungebrannte einheimische Schönheit. …
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