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…  
„Wie es aussieht“, begann Lothar vorsichtig, „war unser Einsatz nicht ganz erfolglos.“
Damit griff er zum Funkgerät und rief seine Kollegen im hinteren Wagen.
„Habt ihr das Radio an?“ fragte er knapp. 
Natürlich hörten sie mit. Eine kleine, beinahe hämische Gelassenheit begann sich unter den Freunden zu etablieren, die jene große Anspannung ablöste, welche seit mehreren Tagen so schwer auf ihnen gelastet hatte.  
„Was stand denn Interessantes auf dem weißen Blatt Papier?“ wollte Hermann wissen.
Bernd schmunzelte verschmitzt, holte es aus seiner Tasche und reichte es ihm. Hermann las laut:
„Wenn Sie nicht kooperieren, erzähle ich alles über Ihre homosexuelle Vergangenheit.“
Ausgelassene Heiterkeit begleitete die Freunde auf ihrem Nachhauseweg.

Kapitel XVI



   Eine Nation stand unter Schock. Durch Dr. Meiningers Geständnis war eine gigantische Lawine losgetreten worden, ein Erdrutsch, ein Gebirge schob sich über das Land, alles unter sich begrabend, was nicht rechtzeitig zur Seite wich. Die Menschen begannen lautstark darüber nachzudenken, worüber Bernd offen gesprochen hatte; auch über seine Warnungen. Je mehr sich die Betroffenen mit den Details befaßten, umso deutlicher offenbarte sich ihnen die Richtung ohne Wiederkehr, in welche die Regierung dieses Land zu steuern beabsichtigte.
Das Vertrauen in die Medizin war gestört, ebenso in die Justiz. In die Politik ohnehin, ging doch gerade von ihr die größte Bedrohung aus. Die Medien begannen vorsichtig, die Berichterstattung wieder ihrem ehemaligen Niveau anzupassen, ließen sich nicht mehr dazwischenreden.  
Unzählige der grünen Giftcouverts wurden gefunden und rechtzeitig vernichtet oder abgeliefert, dennoch gab es weitere Opfer zu beklagen. Denn nicht alle Bürger hatten an jenem denkwürdigen Abend ferngesehen. Aber zu irgendeinem Zeitpunkt hatte es auch der letzte begriffen, daß, was sich hier in menschenverachtender Weise abgespielt hatte, unmittelbar ihn selbst betreffen könnte. Vielleicht nicht gleich morgen, aber zweifelsohne in naher Zukunft. Eine neue Ära schien eingeläutet. 
  Am Tag Drei nach der Aktion im Fernsehsender brannte das Gesundheitsministerium bis auf die Grundmauern nieder, mehrere Versicherungsgebäude folgten, ebenso einige Großbanken. Zwei Tage später lag das Finanzministerium in Schutt und Asche. Der Zorn der arbeitenden Bevölkerung - der sich bis vor kurzem aufgrund ihrer Unwissenheit noch zu einem großen Teil gegen Rentner und Pensionäre richtete - und die abgrundtiefe Enttäuschung der Ruheständler selbst entluden sich hauptsächlich bei Attacken auf Parteipolitiker. …
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