Bernd unterbrach ihn mit dem Satz:
„Wie Sie hierhergekommen sind, ist für unsere Zuschauer von untergeordnetem Interesse. Bitte fahren Sie fort! Warum sind Sie heute hier?“
Es war wohl der beinahe freundliche Ton Bernds, der bei Meininger Alarmglocken schrillen ließ, denn freundlich war Bernd in der Tat nicht auf ihn zu sprechen. So nahm er sich zusammen und schweifte in der Folge nicht mehr als nötig vom Thema ab. Für einen Politiker ohnehin keine Leichtigkeit.
Dr. Meininger berichtete nun unter dem Druck der Waffe und eines geheimnisvollen Zettels, den Bernd ihm von Zeit zu Zeit vor die Nase hielt, von den ungeheuren Machenschaften der Regierungsparteien in der Rentenfrage. Eingangs erzählte er, wie das Gesundheitsministerium auf Druck der Finanzbehörde beabsichtigte, Menschen, die nicht am Arbeitsprozeß teilnehmen, bald jegliche ärztliche Hilfe zu verweigern bzw. bei harmlosen Behandlungen deren Ableben zu forcieren. Daß Kosten von Zahnarztbesuchen selbst zu tragen seien, von Medikamenten, die nicht mehr von den Kassen bezahlt werden sollten usw. Auch den Beschluß einer Erhöhung der Erbschaftssteuer auf sage und schreibe 80 % ließ er nicht unerwähnt, sodaß sich dem Zuschauer ganz allmählich ein vages Bild dessen präsentierte, was in den Köpfen der maßgeblichen Politiker umherspukte.
Die Reaktionen des breiten Publikums blieben den Freunden noch verborgen, die Ungläubigkeit in den Augen der Mitarbeiter des Senders lieferte jedoch bereits kleine Teilerfolge.
„Weiter. Erzählen Sie ruhig weiter, Herr Dr. Meininger. Unsere Zuschauer sind ganz versessen darauf, auch noch den traurigen Rest zu hören“, sagte Bernd aufmunternd, als Meininger schon glaubte, seinen Beitrag geleistet zu haben.
Dieser nahm mit den gefesselten Händen seine Brille ab, putzte sie umständlich und nervös mit einem Papiertaschentuch, behielt sie aber in der Hand. Erneut mußte Bernd ihm verbal unter die Arme greifen:
„Wie alt … sind Sie, Dr. Meininger?“
„Ich bin 59 Jahre.“
„Dann bleiben Ihnen ja nur noch ein paar wenige Monate. Wenn alles nach Plan verläuft ...“
Meininger erschrak, er begann auf seinem Stuhl zu schrumpfen.
„Nun erzählen Sie unseren Zuschauern schon“, bohre Bernd weiter, „was mit jenen passiert ist, die nicht mehr unter uns weilen,“ Bernd schaute Meininger schräg von der Seite an, bevor er den Satz beendete, „obwohl sie körperlich gesund waren. …
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