Am meisten brachte den Minister die rüde Art auf, mit der ihn die Beamten auf den Rücksitz verfrachteten und sich neben ihn zwängten. Alle seine Fragen ließen sie unbeantwortet, auf seine Drohungen reagierten sie ebenso teilnahmslos; er glaubte sich entführt. Von Terroristen in Uniform. Was ihn allerdings den Terrorismusgedanken wieder verwerfen ließ, waren die Namensschilder an den Uniformen seiner Entführer. Wer hätte je gesehen, daß Terroristen ihre Namen am Revers trugen? Also fügte er sich, die Augen fix auf einen weit entfernten Punkt gerichtet, die Hände mit den hübschen verchromten, aber etwas lästigen Armbändern auf den Knien, die nackten Füße steckten in karierten Pantoffeln.
Auch die vier Staatsdiener hingen ihren Gedanken nach. Natürlich wußten sie um die Illegalität ihres Handelns, selbstverständlich fürchteten sie die Folgen dieser ‚Entführung’, aber die Rückendeckung von seiten ihres Auftraggebers wirkte beruhigend auf alle vier. Der hatte versprochen, daß sie nicht belangt werden würden. Und sie vertrauten ihm. Vor allem deshalb, weil dies keine offizielle Verhaftung war; eher eine vorgetäuschte. Selbst die Uniformen gehörten nicht ihnen persönlich, denn alle vier waren sie Kriminalbeamte, Kollegen von Lothar Schmidt – ihrem Auftraggeber. Genau genommen handelte es sich eher um eine Bitte denn um einen Auftrag. Sie wußten das, Lothar wußte das. Er hatte ihnen diese Uniformen, die sie selbst schon seit vielen Jahren nicht mehr trugen, besorgt. Und die Namensschilder. Unbeirrt setzte der grünweiße Streifenwagen seine rasante und ungewisse Fahrt fort.
In Lothars Dienststelle war es am heutigen Samstagnachmittag auffallend ruhig. Was er und seine Kollegen vorhatten, sowohl ideologisch als auch materiell von Bernd unterstützt, bewegte sich nicht nur am Rande der Legalität – es lag weit außerhalb des gesetzlich Erlaubten. Skrupel jedoch waren bei ihrem Vorhaben fehl am Platze. Denn gerade permanente Skrupellosigkeiten waren der Grund dafür, daß es an diesem Abend überhaupt zu jenem denkwürdigen Ereignis kommen sollte.
Bedenken dem eigenen Handeln gegenüber oder gar Gewissensbisse zeigte übrigens bis zum heutigen Tag keiner der an diesen Ungeheuerlichkeiten Beteiligten, von denen einige bereits hinter Gittern saßen; …
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