Dessenungeachtet hatte sich Hermann mit Brutus auf den Weg zum Bahnhof gemacht und für sein Vorhaben den Nahverkehrszug nach Frankfurt bestiegen. Die Enge im morgendlichen Berufsverkehr war für den Hund ungewohnt, und seine empfindliche Nase vollführte akrobatische Maxima. Viele dieser seltsamen Düfte in seiner unmittelbaren Umgebung waren ihm fremd, kam er doch zu Hause nur mit sehr wenigen Menschen in Kontakt.
Und Brutus schnupperte; konnte gar nicht genug bekommen von diesen neuen, völlig unterschiedlichen Duftmolekülen, die sich anschickten seine Nase zu erobern. Sein Kopf hob und senkte sich während der Fahrt im Zug, in dessen Gang er und Herrchen standen, die Plätze waren alle besetzt. Sein glänzender Nasenspiegel schob sich hier an ein neues Paar Lederschuhe heran, konnte den Büffel beinahe noch atmen spüren, wurde alsbald angezogen von der penetrant riechenden Schuhcreme eines Schülers, unmittelbar daneben. Als nächstes weckte eine Aktentasche seine Aufmerksamkeit, wahrscheinlich mit eßbarem Inhalt. Hermann hatte Mühe, den Kopf des großen Irischen Wolfshundes an seiner Seite zu halten. Schon wieder zuckte Brutus nach rechts, diesmal hatte er sich den Schoß einer jungen Frau als Ziel auserkoren. Die Dame erschrak nicht wenig, als die dunkle Hundeschnauze sie anstieß und zum Spielen aufforderte, auf dem hellen Kleid der Frau blieb ein winziger feuchter Fleck haften. Hermann zog den Hund zurück und entschuldigte sich mehrmals. Brutus hatte keinen Schimmer, warum am heutigen Tag die Leine so eng gehalten wurde, ergab sich in sein Schicksal und betrachtete gänzlich unkonventionell alle Anwesenden als potentielle Spielgefährten.
Die Fahrt hatte nicht lange gedauert, nach einer guten halben Stunde standen sie bereits am Hauptbahnhof der hessischen Millionenstadt. Hier, wo es von Menschen nur so wimmelte, zeigte sich Brutus unerwartet ruhig. Anscheinend hatte er sich auf der Fahrt hierher bereits an die vielen Zweibeiner gewöhnt. Nur ein Diensthund der Bahnhofsaufsicht erweckte seine Aufmerksamkeit, als der, ebenfalls angeleint und in Begleitung eines Wachmannes, im Abstand von etwa 10 Metern an den beiden vorüberlief. Aus Brutus’ Kehle drang ein tiefes Knurren, für menschliche Ohren kaum wahrnehmbar, der Schäferhund jedoch faßte dies als Bedrohung auf. In der Folge stemmten sich zweimal vier Pfoten auf den glatten Boden des Bahnsteigs, versuchten sich einander zu nähern, und je zwei Arme zogen in die entgegengesetzte Richtung. …
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