Nicht nur die Regierung hatte sich mit fremden Geldern verkalkuliert. Im selben Boot saßen etliche Pensionskassen und vor allem Großbanken. Nicht wenige mußten Konkurs anmelden, jede Menge Köpfe dürften in nächster Zeit noch rollen. Ans Licht kam der Tatbestand erst, als sie nicht mehr in der Lage waren, Auszahlungen zu tätigen und die Kunden an ‚südamerikanische Verhältnisse’ erinnert wurden. Es folgten Aufstände, chaotische Zusammenstöße zwischen entsetzten Bankkunden und Angestellten der Geldinstitute, bis das Desaster letztendlich nicht mehr zu verheimlichen war.
Aber die harten, die unbequemen Sitze des ‚Bootes’ waren noch lange nicht belegt, denn auch führende KFZ - und Lebensversicherungen hatten das Glück herausgefordert, mit demselben Resultat. Die ‚Treuen Hände’ hatten sich in schmutzige verwandelt, in unlautere, in gemeine. Daß sie dies nicht gedurft hatten, war offenkundig. Warum sie es dennoch taten, warum sie eklatant gegen bestehendes Recht verstießen, darüber bekam man keine Informationen. Noch nicht. Nicht ein Führungsmitglied äußerte sich zu den haarsträubenden Vorfällen. Auch nicht die Vorstände der Rentenversicherungsanstalt, denn auch jene gigantische Sparkasse sah sich gezwungen in besagtem Boot Platz zu nehmen, und sie benötigte dabei so viel Raum, daß die anderen Insassen ordentlich zusammenrücken mußten … So der Journalist.
Hermanns Gesicht war blutleer, als er das Schriftstück zusammenfaltete, ein dumpfer Magenschmerz quälte ihn seit einigen Minuten, er wollte etwas sagen, aber seine Stimmbänder reagierten nicht. Wie im Traum stand er auf, holte den Kirschlikör, goß zwei Gläser ein und ließ sich schwerfällig zurück auf die Couch fallen. Vera hatte das Bügeleisen beiseite gestellt, setzte sich zu ihm und starrte ihn mit fragenden Augen an.
„Die …“, kam es tonlos aus seinem Hals, „die bringen uns um, weil sie pleite sind!“
***
Die Nachtschicht war alles andere als erholsam. Zum wiederholten Male lief Dr. Vivian Muller in dieser Nacht schon den düsteren Korridor der Klinik Links der Isar entlang. Vorbei an der ewig defekten Neonröhre, die das gedämpfte Klatschen ihrer Absätze auf dem glatten Linoleum mit einem unruhigen Flackern und dem dazugehörigen elektrischen Knistern untermalte, steuerte Vivian die rote Lampe an, die neben der Zimmertür 416 leuchtete.
Dr. Vivian Muller war Assistenzärztin, ledig, stammte aus Lyon, hatte in München Medizin studiert und verbrachte mit ihren 29 Jahren erheblich mehr Zeit in der Klinik als in ihrer Wohnung. …
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