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…  
Nach etwa 10 Minuten machten sich die Männer an die Arbeit. Die Flasche war annähernd voll, Hermann schraubte den Verschluß ab und begann, die Flüssigkeit über die Stapel zu spritzen. Darüber hinweg, dazwischen, an die Wände. Im Anschluß wurde die Inneneinrichtung des Erdgeschosses besprengt, der Teppichboden, die Tische, die Schränke. Bald schwebte der unangenehme süßliche Geruch des Spiritus’ in jedem Winkel des Gebäudes. Wie in Trance stellte Hermann nach getaner Arbeit die leere Flasche zurück in die Besenkammer. 
   Irgendwann war die Zeit um, die 15 Minuten verstrichen und Bernd nicht zurückgekehrt. Wie versprochen nahm Lothar ein Feuerzeug in die Hand, bat Hermann, zur Eingangstür zu gehen und zündete daraufhin den Stapel an. 
Einem wehenden Begonienteppich nicht unähnlich züngelten violette Flämmchen die Kartons entlang, wie eine zweite Haut, wie ein waberndes lebendiges Wesen krochen sie über deren Oberfläche. Eilig zog sich Lothar zurück, und von der Tür aus beobachteten beide, wie die Flammen den Stapel völlig einhüllten, wie sie ihn regelrecht flambierten, anschließend am Fußboden ausschwärmten und nach und nach den gesamten unteren Teil des Hauses in Besitz nahmen. 
Nun wurde es wirklich höchste Zeit für die beiden Männer, das brennende Gebäude zu verlassen. Sie öffneten die Tür und standen auf der Straße, endlich an der frischen Luft, hinter sich das Feuer.    
Bis zu Bernds Audi waren es nur wenige Schritte, gleich darauf saßen sie im Wagen und Lothar startete den Motor, als Hermann aufgeregt rief: 
„Die Beweise! Wir haben die Beweise drinnen vergessen!“
Das stimmte in der Tat. Sie hatten den Karton mit der tödlichen Fracht an der Eingangstür stehen lassen. Mit einem Sprung war Lothar aus dem Auto, rannte auf die Tür zu, aber die war längst wieder verschlossen und nur von innen zu öffnen. Ohne auch nur einen Moment zu zögern drehte er sich um und lief zur Rückseite des Firmengebäudes. Aus dem zerbrochenen Fenster traten bereits dicke Rauchschwaden, und es kostete ihn keine geringe Überwindung hindurchzusteigen. 
Lothar stand am Fenster und hielt die Luft an, er besaß keinen feuchten Lappen, den er sich vors Gesicht hätte halten können, lediglich ein Taschentuch. Das mußte genügen, er lief los, verließ den Raum und trat auf den Flur. Durch den Schein des Brandes konnte er schemenhaft den Karton stehen sehen, direkt am Eingang. Von der Decke herab aber tropfte bereits brennender Kunststoff, fiel auf seine Schultern, auf sein Haar. …
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