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…  Lothar schaute zurück, er zögerte. 

   Etwa 300 Meter entfernt kauerte Bernd in einer Nische zwischen zwei Fabrikhallen, genau gegenüber jener 8 gewaltigen gelben Alkoholtanks. Die Luft um ihn war geschwängert vom beißenden Geruch der Chemikalie, die Situation wurde brenzlig. Geräuschlos rann eine klare Flüssigkeit über die ohnehin feuchte, sich leicht bergab neigende Straße. Es dauerte nicht mehr lange, und seine Schuhe würden auf eine äußerst unangenehme Weise davon in Mitleidenschaft gezogen werden. 
Gleich nach dem Verlassen der Sektion M war er hierher gelaufen, hatte das schwere Ventilrad des ersten Tanks aufgedreht und zugesehen, wie sich der hochprozentige Inhalt auf das Firmengelände ergoß. Wie eine Armee von glitzernden lautlosen Schlangen kroch der Alkohol in jede sich bietende Ritze, versickerte teilweise im Erdreich, in der Kanalisation, das meiste jedoch floß in die angrenzenden Gebäude, tränkte sie mit seiner anrüchigen Aura.
Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis alle Tanks von Bernd geöffnet waren und sich die Ströme tonnenweise und unaufhaltsam auf dem Gelände verteilten. Schon waren die etwas tiefer gelegenen Zapfsäulen der Tankstelle erreicht, der Alkohol umspülte sie wie die ansteigende Flut des Meeres einen ins Watt gerammten Steg. 
Bernd sah auf die Uhr, die Freunde sollten längst hier sein. Eigentlich hätte er sich schleunigst zurückziehen müssen, weg von dieser stark riechenden, von dieser extrem brennbaren Substanz; aber es half alles nichts. Er wollte hier auf die beiden warten, das war so abgemacht. Die Flasche in seiner Hand war gut gefüllt mit Alkohol, der getränkte Lappen steckte im Flaschenhals. 

   Der rechte Ärmel von Lothars Hemd brannte, auch seine Haare hatte er mehrmals rasch von den Funken befreien müssen, die von der Zimmerdecke herab fielen. Mit der Linken versuchte er mehr oder weniger erfolgreich den Ärmel zu löschen, aber Flammen waren jetzt überall. Auch konnte er das Beweismaterial nicht mehr erkennen, beinahe blind stürzte er sich in Richtung des Ausganges, noch immer hielt er die Luft an, wollte es um jeden Preis vermeiden, diese giftigen Dämpfe, die von dem Stapel ausgingen, einzuatmen. Das hätte seinen sofortigen Tod bedeutet.
   Wie auf glühenden Kohlen saß Hermann im Wagen. Rutschte auf seinem Sitz hin und her, starrte auf die mittlerweile gelblich flackernden Schatten in der Eingangstür und konnte doch nichts tun. Er war der Verzweiflung nahe. …
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